Inhalt

Während das Land aufgrund der Fussballweltmeisterschaft im Freudenrasch versinkt, müssen drei Polizisten in einem Problemviertel eines Vororts von Paris auf Streife gehen. Hier prallen Kulturen aufeinander und selbst ernannte Bürgermeister kontrollieren die Häuserblöcke. Die Gesetzeshüter geraten mitten in einen Bandenkonflikt und tragen ihren Teil zur aufgeheizten Stimmung bei…

Fazit

Beim Titel musste ich zunächst unweigerlich an ein Musical, beim Coverfoto an eine Dokumentation denken – doch hinter dieser unscheinbaren Fassade steckt ein Film, der es wahrlich in sich hat.

Durch seine fast schon dokumentarische, aber äußerst hochwertigen Inszenierung baut der Streifen schnell einen Sog auf, der bis zum bitteren Ende an den Bildschirm fesselt. Man bekommt einen beunruhigenden Eindruck vom Leben in den Problemvierteln, wobei das Werk mit seiner kurzen Laufzeit wohl nur an der Oberfläche kratzt. Man spürt das Regisseur Ladj Ly selbst in den Bezirken aufgewachsen und unliebsame Bekanntschaft – auch mit der Polizei – gemacht hat.

Alles wird sehenswert und vor allem nicht einseitig beschrieben. Wir betrachten stets alle Fraktionen und lernen, deren Handlungen zu verstehen. Dank der hervorragenden Schauspieler geht dies unter die Haut und hält die Spannungskurve durchwegs oben. Man kann sich erstaunlich gut in viele Charaktere hineinversetzen und deren Verzweiflung wahrlich greifen. Ich würde sogar sagen, dass in einigen Momenten das Gemüt des Betrachter erhitzt wird und Gefühle hochkochen. Dies schafft sicherlich kein unbedeutender Erguss, der mal eben vor sich hin plätschert.

Im Grunde erleben wir hier nur Opfer. Opfer ihrer eigenen Umstände, aus denen sie kaum hinaus kommen. Dies gilt für die Bewohner des Blocks, als auch für die augenscheinlich guten Gesetzeshüter. Dies sorgt für eine Dynamik, bei der die Luft brennt und die Laufzeit fast wie im Flug vergeht. Das Finale lässt überdies noch Raum für Spekulationen, wurde aber genau richtig gewählt.

„Die Wütenden – Les Misérables“ ist ein Film, der unter die Haut geht und wohl noch etwas im Gedächtnis verweilt. Er versucht in kompakter und unterhaltsamer Spielfilmform auf ein wichtiges Thema aufmerksam zu machen und durchaus Verständnis zu vermitteln. Man spürt die Authentizität in jeder Sekunde und bleibt komplett vom Geschehen gefesselt. Eine erstklassige Inszenierung rundet das stimmige Gesamtbild ab und am Ende bleibt ein kleiner Überraschungshit.

8,5/10

Fotocopyright: Alamode Film

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