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Schlagwort: Serie (Seite 1 von 3)

Your Honor

Inhalt

Der Sohn eines renommierten Richters begeht einen Unfall mit anschließender Fahrerflucht. Da es sich bei dem verstorbenen Opfer unglücklicherweise um den Sprössling eines mächtigen Unterweltbosses handelt, hält der Vater des Täters mit der ganzen Wahrheit zunächst hinter dem Berg. Er befürchtet Vergeltung und konstruiert daraufhin seine eigene Version der Geschichte…

Fazit

Schon seit der Kultserie „Malcom Mittendrin“ hat sich der spätere „Breaking Bad“-Star Walter White alias Bryan Cranston angenehm hervorgetan und nun erleben wir ihn wieder in der Rolle eines verzweifelten Vaters. Um ehrlich zu sein, war er für mich sogar DAS Zugpferd für diese Mini-Serie – die ich sonst, trotz halbwegs passabler Inhaltsangabe nicht sonderlich weit oben auf der Prioritätenliste gehabt hätte.

Cranston verkörpert diesmal allerdings keinen tollpatschigen Typen, sondern einen gestandenen Richter, der in vielen Bereichen ordentlich was auf dem Kasten hat und zunächst sehr gesetzestreu erscheint. Dabei spürt man die Liebe zu seinem Job und vor allem auch zu seinem Sohn. Die Ausgangslage der Handlung lässt uns dabei gut in seine Seele blicken und so manch fragwürdige Handlung auf gewisse Weise verstehen.

Allgemein spielt die Serie mit Recht und Moral. Es gab keine klare Abgrenzung von Gut und Böse, auf jeder Seiten gab es Licht und Schatten. Man war stets zwischen beiden Fraktionen hin- und her gerissen, konnte viele Aktionen und Reaktionen absolut nachvollziehen. Sicherlich nicht immer mit ihrer brutalen Konsequenz, aber irgendwie schienen diese Momente schon gut begründet und nicht der unnötigen Effekthascherei wegen.

Mit 10 Episoden zu je knapp einer Stunde war das Gezeigte nicht zu lang und nicht zu kurz. Man konnte seine Geschichte auserzählen, allen Charakteren genügend Tiefe verleihen und einen guten Flow beibehalten. Die Handlung ist abgeschlossen und Bedarf keiner Fortsetzung. Natürlich waren viele Abläufe und Zufälle aus dramaturgischen Gründen zuweilen arg konstruiert, aber bei welcher vergleichbaren Produktion ist das nicht so? Für den Betrachter zählt die Kurzweil – und die war hier fortwährend gegeben.

„Your Honor“ stellt für mich keine neue Serienreferenz, gehört aber definitiv zu den Besten, was ich in letzter Zeit gesehen habe. Die Story ist packend wie flüssig inszeniert und verzweifelter Cranston macht sowieso wieder eine Menge Spaß. Die gewöhnungsbedürftigen deutschen Sprecher haben gelegentlich genervt, doch ansonsten gab es wenig zu Meckern. Wer mal wieder ein bisschen „Breaking Bad“-Feeling sucht, sollte auf jeden Fall mal reinschauen.

8/10

Fotocopyright: Showtime / Sky Atlantic

Pregau – Mörderisches Tal (Mini-Serie)

Inhalt

Pregau ist ein kleines verschlafenes Städtchen im schönen Österreich. Hier geht es noch sehr ländlich zu und Jeder kennt noch Jeden. Eigentlich genau der richtige Ort, um vom stressigen Alltag in der Großstadt herunterzukommen und als Polizist etwas ruhiger seinen Dienst zu verrichten. Hannes Bucher hat jedoch nicht mit den Feindseligkeiten innerhalb der Gemeinde gerechnet und wie sehr einige Dinge eskalieren können…

Fazit

Per Zufall bin ich über diese vierteilige Mini-Serie gestolpert und wollte ihr so Nebenbei einfach mal eine kleine Chance geben. Was mich in den rund 6 Stunden allerdings erwartete, war unerwartet packend und stimmig präsentiert.

Optisch erinnerte die Serie an die üblichen Produktionen der Region. Bei den hübschen Bildern kam schnell ein Urlaubsfeeling auf und der krasse Kontrast zu den schlimmen Ereignissen war schon sehr gelungen und zuweilen herrlich bizarr. Atemberaubende Aufnahmen standen Intrigen und sogar blutigen Morden gegenüber – in der Gegend war mehr los, als es auf den ersten Blick schien.

Natürlich wirkt die Handlung mit ihren herben Zufällen oftmals arg konstruiert, doch dies tat der Unterhaltung wahrlich keinen Abbruch. Schnell entwickelte sich ein angenehmer Sog und man konnte sich kaum vom Bildschirm lösen. Die Rädchen griffen perfekt ineinander und trotz gewissem „Vorhersehbarkeits-Faktor“, wurde man immer wieder überrascht.

Das Gezeigte war spannend, witzig, zum Teil sogar ein wenig tiefgründig und triefend vor schwarzem Humor. Einigen Gesellschaftsschichten wurde ein passender Spiegel vorgehalten und auf einfache Weise wurde Politik auf dem Land erklärt. Für sämtliche Situationen gabs ansehnliche Beispiele und oftmals konnte man sich folgende Konsequenzen immer wieder im Kopf ausrechnen.

Die Darsteller waren allesamt grandios und wuchsen trotz ihrer Macken schnell ans Herz. Niemand hatte eine reine Weste und selbst vor dem Pfarrer machte das skurrile Kleinstadtportrait keinen Halt.

Es wurden jedoch keine dümmlichen Klischees bedient, sondern tatsächlich Figuren mit Kontur und ausgearbeiteten Hintergründen geschaffen. Jeder hatte Ecken und Kanten und irgendwie konnte man trotzdem eine gewisse Sympathie zu fast allen Beteiligten aufbauen. Es gab keine echten Helden, aber auch keine echten Bösewichte. Einfach ziemlich gut aus dem Leben gegriffene Personen mit eigenen Motivationen.

„Pregau“ ist ein Wechselbad der Gefühle – was in diesem Falle absolut nicht negativ gemeint ist. Er nimmt das gängige Bild von verschlafenen Örtchen und deren Seilschaften schön auf die Schippe und liefert so ganz nebenbei einen echt gelungenen Thrill mit hohem Unterhaltungswert. Wer sich auch nur ansatzweise für deutsch/österreichische Produktionen begeistern und sich auf einen etwas anderen Heimatfilm einlassen kann, erhält eine wirklich tolle Serie mit hohem Sucht- und Kultfaktor.

8/10

Fotocopyright: LEONINE

The Stand – Das letzte Gefecht (2020) – Staffel 1

Inhalt

Eine schlimme Seuche hat 99 Prozent der Erdbevölkerung dahin gerafft und die wenigen Überlebenden ziehen nun mehr oder weniger zerstreut umher. Diese Menschen sind allerdings durch ihre Träume verbunden. Während die Einen darin von der gutmütigen Abagail Freemantle erfahren, werden die Anderen von dem geheimnisvollen Randall Flagg in das noch immer sündige Las Vegas abgerufen…

Fazit

Das Buch besitze ich seit meiner Kindheit, doch bis dato habe ich es nie über das erste Viertel heraus geschafft. Die Geschichte an sich ist zwar recht interessant, doch der dicke Wälzer stellenweise etwas langatmig geraten. Gefreut habe ich mich dann damals über die erste TV-Umsetzung, welche man sich vorab in der Videothek auf VHS geliehen und durchgesuchtet hatte.

Seit Jahren verfolgt man nun schon die Entwicklung einer Neuinterpretation – und statt einem angeblichen Kinofilm von Ben Affleck ist es nun wieder ein Serienformat geworden, welches augenscheinlich dem umfangreichen Stoff etwas gerechter zu werden schien.

Zuerst möchte ich sagen, dass mir beide Apdationen recht gut gefielen. Jede hat ihre Stärken und Schwächen, doch der Kern ist bei allen gleich. King liefert uns hier eine epische Geschichte, in der sich Gut und Böse gegenüber stehen und das Ende der Menschheit endgültig bevorsteht. Beide Fraktionen besitzen ihre charismatischen Anführer und das Thema Versuchung nimmt dabei einen gewissen Stellenwert ein.

Erwartunsggemäß nimmt sich die aktuelle Verfilmung etwas mehr Zeit, um Details und Figuren besser auszuarbeiten und krempelt dabei die Erzählstruktur ein wenig um. Stand damals der Weg im Fokus, sind hier die Überlebenden bereits an ihren Zielen angekommen und durch Rückblenden erfahren wir mehr über deren Schicksale. Die höhere Episodenanzahl bringt jedoch auch kleinere Längen mit sich, die aber zum Glück immer wieder schnell vorüber gehen und durch einen guten Spannungsbogen (trotz bekannter Handlung) immer wieder überspielt werden. Man bleibt auf jeden Fall bis zum bitteren Ende am Geschehen und kann gut eine Folge nach der anderen wegschauen.

Technisch gibt sich die Produktion hochwertig. Zwar sind nicht alle Computereffekte absolut State-of-the-Art, aber insgesamt hinterließ alles einen mehr als guten Eindruck. Durch den leicht veränderten Ablauf wirkt das Epos sowieso etwas zeitgemäßer, obgleich dies in dieser Form nicht unbedingt nötig gewesen wäre. Man möchte so vielleicht etwas mehr Komplexität vortäuschen und sich von der ersten Adaption deutlicher abheben, aber das geht in Ordnung.

Mein größter Kritikpunkt ist der Cast. Ich halte eigentlich viel von Whoopi Goldberg oder Alexander Skarsgård aber hier wollten sie nicht so recht ins Geschehen passen. Gerade Skarsgård erschien mir als Bösewicht trotz einiger wirklich cooler Momente einfach nicht charismatisch genug. Irgendwie verbinde ich Jamey Sheridan im lässigen Jeans-Outfit mit dieser Rolle, der mit seinen unkonventionellen Auftritt seinerzeit für echte Begeisterung sorgte. Der Rest erledigt seinen Job jedoch sehr gut und auch die Synchro (so eine Sache in den letzten Monaten) hat gefallen. Im Vergleich erscheinen hier einige Figuren fast schon zu hübsch und geleckt – aber damit hat nicht nur „The Stand“ aus 2020 zu kämpfen.

Wie bereits erwähnt sind beide bisher gesehenen Umsetzungen des wuchtigen Buches eine runde Sache. Mir persönlich hat jedoch die etwas straffere und sympathischer besetzte alte TV-Fassung einen Ticken besser gefallen – obgleich die Neuauflage aus heutiger Sicht wesentlich zeitgemäßer daher kommt. Ich mag den alten Charme und die gradlinigere Erzählweise etwas mehr, doch schlecht ist die 2020er-Version auf keinen Fall. Fans schauen sowieso Beides und lesen die noch immer erschreckend aktuelle Vorlage. Neueinsteiger hingegen greifen vielleicht besser zur modernen Adaption, da sie wohl mehr den derzeitigen Sehgwohnheiten und Technikansprüchen gerecht wird.

7,5/10

Fotocopyright: Starzplay

Tribes of Europa

Inhalt

Die Zukunft. Die Europäische Union ist zerbrochen und die Völker des Kontinents leben wieder in gespaltenen Stämmen und bekriegen sich regelmäßig. Als ein fremder Flugkörper im Wald der „Originals“ abstürzt, sind plötzlich viele Parteien an dem Frack und dessen Ladung interessiert…

Fazit

Nach Hochkarätern wie „Dark“ oder „Barbaren“ war mein Vertrauen in deutsche Produktionen eigentlich fest erstarkt, doch was sich jetzt zuletzt bei „Tribes of Europa“ präsentierte, machte diesen Glauben fast vollends zu Nichte. Während man sich immerhin um eine nette Rahmenhandlung bemüht, zeigt sich bereits nach den ersten Minuten der ersten Episode, wohin die traurige Reise geht.

Hatte man vor Monaten „Barbaren“ noch eine Art von Laientheater vorgeworfen, dann frage ich, was „Tribes“ hier darstellen möchte. Es gab zwar ein paar durchaus bekannte (und geschätzte) Gesichter aus der hiesigen Medienlandschaft, doch deren Auftritt lud meist nur zum Fremdschämen oder bestenfalls zum verzweifelten Lachen ein. Lausige Deutsch-Englisch-Mischmasch-Dialoge und Kostüme aus der Designhölle waren nicht nur unfreiwillig komisch, sondern eine echte Beleidigung für die Sinne des Zuschauers. Selbst die merkwürdige Musikuntermalung war bestenfalls als anstrengend zu bezeichnen und zum Teil völlig unpassend zu den eigentlich ganz nett eingefangenen Bildern.

Die gesamte Serie wirkte billig. Nicht bescheiden-stilvoll, sondern wirklich maßlos billig. Es gab nur wenige extrem karge Settings und gefühlt nur eine Handvoll CGI-Effekte, die zumeist eher klein vom Ausmaß waren und trotz des glanzlosen Restes eher untergingen. Sicherlich bewegen wir uns hier in einer fast völlig zerstörten und deprimierenden Zukunft, doch hier wollte sich beim besten Willen keine stimmige Endzeit-Atomsphäre auftun. Spartanisch okay, aber dann bitteschön alles zumindest in den Köpfen etwas größer wirken lassen und die Fantasie gekonnter anregen.

Die Serie trägt den Namen „Europa“ im Titel und fühlte sich dennoch so klein an. Gefühlt hab es nur einen Wald und drei mickrige Häuschen. Nichts erschien monumental oder zumindest in irgendwelchen gedanklichen Spinnereien auch nur ansatzweise episch. Man erkannte keine Kulissen, man erhielt keinen Überblick über das gesamte Geschehen – und wurde als dank nicht nur mit bescheuerten Clan- sondern auch peinlich-ausgefallenen Städtenamen belohnt. Berlin wollte wohl seinen Namen nicht hergeben…

Versteht mich nicht falsch. Ich habe durchaus ein Faible für Trash und einheimische Werke haben in der Regel schon vor der Sichtung einen kleinen Stein im Brett. „Tribes of Europa“ konnte jedoch in keiner Disziplin glänzen und wirkte mit seinen unverständlichen Designentscheidungen fast schon ein wenig beleidigend. Stellenweise wollte ich mich echt für diese Serie schämen und am liebsten gar nicht an Reaktionen aus dem Ausland denken. Andere liefern hier bei „Netflix“ richtige Knaller ab und wir tischen einen unausgegorenen, schwachen Schrott mit Hang zur Selbstgeißelung auf. Unfassbar schwache Vorstellung. Besonders schade um das Talent von Oliver Masucci – der mein einziger Lichtblick blieb und nicht einmal recht überzeugen konnte.

3/10

Fotocopyright: Netflix

Wir Kinder vom Bahnhof Zoo – Staffel 1

Inhalt

Christiane wächst zunächst wie eine ganz normale Jugendlich auf, bis sie durch die falschen Freunde und jeder Menge persönlicher Rückschläge immer weiter auf die schiefe Bahn gerät. Erst fängt es mit einfachen Trips an, doch schon bald sind auch diese nicht mehr genug, um der traurigen Realität zu entkommen…

Fazit

Die Neuauflage in Serienform ist gerade erst erschienen und schon häufigen sich einige schlechten Kritiken – die ich glücklicherweise nicht ganz teilen möchte. Sicherlich ist die Sichtung des Spielfilms schon einige Tage her und Vergleiche hierzu (oder gar zum Buch) für mich im Moment nur schwerlich möglich, doch auf seine moderne Weise hat mir das beim Versandriesen erschienene Werk überraschend gut gefallen.

Zunächst gefiel die hochwertige Optik, die mit knalligen Farben, krassen Kontrasten und klaren Bildern schnell ein Lächeln auf die Lippen zauberte. Man weiß sogar gelegentlich überhaupt nicht, in welcher Epoche das Gezeigte zur Zeit eigentlich spielt und das traurige Thema wirkt irgendwie erschreckend lebhaft.

Trotz aller technischen Finessen hat man aber das typisch Deutsche nicht vergessen. Ich kann es nur schwer beschreiben, aber durch sein Setting, den charmanten Darstellern und einigen – sagen wir mal Angewohnheiten – hebt sich das Ganze angenehm aus der Serienlandschaft hervor. Es trägt seine eigene Handschrift und der Sog ist vergleichsweise hoch. Die Identifikation mit den Figuren ist hoch und der unbeschwerte Originalton verstärkt den ansprechenden Eindruck.

Dem Epos wurde vorgeworfen, seine Kernaussage selbst etwas zu verwässern und bis zu einem gewissen Punkt gebe ich diesen Stimmen recht. Trotz einiger dramatischer Aufnahmen wirkt das Treiben oft zu sehr wie eine eher harmlosere Soap und schlägt nicht zu sehr in die Magengrube. Der Leichtgängigkeit ist dies zuträglich, das Thema Drogenkonsum und dessen Folgen sollte man dennoch ganz gut mitbekommen und nachvollziehen können. Die Serie zeigt halt eher auf lockere Weise, wie schlimm sich die Leben von jungen Menschen entwickeln und sollte auch ohne allzu explizite Bilder im Kopf genügend schockieren können.

Die eher unbekannten Gesichter haben mir rundherum gut gefallen. Da ich insbesondere durch die Buchvorlage nicht vorbelastet war, hatte ich keine konkreten Zeichnungen im Kopf – was hier wohl recht behilflich war. Die Chemie aller Beteiligten hat gepasst und man nahm ihnen ihre Rollen durchaus ab. Ich denke, von der ein oder anderen Person wird man in Zukunft (evtl. auch international) noch Einiges hören.

Für mich als Cineast zählt am Ende der Unterhaltungswert – und der hat bei „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ absolut gepasst. Sicherlich fühlte sich die Produktion stellenweise ein wenig seicht an, doch im Anbetracht vieler Szenen denke ich nicht, dass seine Wirkung verfehlt wird. Ich habe die 8 Episoden an einem Abend und einem Mittag durchgesuchtet und konnte mich nicht beklagen. Ich hoffe zudem auf Erfolg auch außerhalb der Landesgrenzen und dass es vielleicht noch mit den Abenteuern rund um die berühmte Bahnstation und seinen durchaus kaputten Charakteren weitergeht.

8/10

Fotocopyright: Amazon

Hausen – Staffel 1

Inhalt

Schon zu Beginn seiner Tätigkeit ist es Jaschek etwas mulmig, doch er tritt den Job als Hausmeister in einem zwielichtigen Gebäude an. Er braucht die Kohle für sich und seinen Sohn und versucht auch ein wenig die unschöne Vergangenheit hinter sich zu lassen. Er ahnt jedoch nicht, dass der Plattenbau nicht nur von Menschen, sondern wohl auch von merkwürdigen Wesen bewohnt ist…

Fazit

Ich weiß nicht, ob meine Leser das Gefühl kennen – es gibt manchmal Dinge, die man zwar aufmerksam gesehen und dennoch so seine Probleme bei deren Erklärung hat. „Hausen“ war jedenfalls bei mir so ein Fall, da ich das Gesehene irgendwie schwer in Worte zu fassen vermag.

Was sich hier in 8 Episoden abgespielt hat, ist nicht eindeutig auf den Punkt zu bringen. Mit wunderschönen, fortwährend düsteren Bildern wurde eine besondere Atmosphäre erzeugt – die beim ersten, kurzen Überlegen höchstens mit „Dark“ zu vergleichen wäre. Dennoch wirkt „Dark“ aber nicht so bedrückend und eingeengt, wie dieser Grusel im trostlosen Plattenbau und die Erzählstruktur ist sowieso ganz anders.

„Hausen“ läuft vorm Betrachter ab und erklärt dabei nicht viel. Obwohl chronologisch sortiert, werfen viele Dinge unendliche Fragen auf und Zusammenhänge werden bis zum bitteren Ende nicht vollends klar. Man ist sich nie sicher, was überhaupt real ist oder was sich möglicherweise nur in den Köpfen der Darsteller abspielt. Klingt seltsam, war aber gerade deshalb sehr reizvoll und erhöhte die Spannung.

Charly Hübner beweist wieder einmal Wandlungsfähigkeit und zeigt sich ungewohnt ernst und zuweilen gewollt überfordert in seiner Rolle. Man fühlt, wie er oft zwischen den Stühlen sitzt und seinem Job des Geldes wegen nachgehen möchte und auf der anderen Seite nicht so recht mit seinem Sohn umzugehen weiß. Allgemein konnten aber der gesamte Cast mit durchgehend schrägen Auftritten überzeugen und zur merkwürdigen Grundstimmung beitragen. Alle waren irgendwo charismatisch und fast schon übertrieben einzigartig gestaltet.

Technisch war die Serie – besonders für eine deutsche Produktion – ein echter Augenschmaus. Zwar ging es überwiegend sehr sehr dunkel zur Sache, doch die Aufnahmen waren zu jeder Zeit klar und auf Hochglanz poliert. Der Look war extrem wertig und stellenweise schon sehr surreal. Ungewöhnliche Aktionen wurden durch noch ungewöhnlichere Kameraeinstellungen noch einen Ticken abstruser und ein krächzender Soundtrack tat den Rest. Das war wirklich Kunst.

„Hausen“ ist keine schlechte, aber trotzdem nur bedingt empfehlenswerte Serie. Das Gebotene ist unheimlich, schräg, manchmal auch angenehm schwarzhumorig und auf jeden Fall nicht einfach zu durchschauen. Ein hoher Unterhaltungswert ist zwar vorhanden, aber manchmal schaltet man auch innerlich etwas ab und bleibt nicht immer absolut gefesselt am Ball. Schaut euch am Besten mal den Trailer an und entscheidet, ob ihr mit dem Gezeigten zurechtkommen würdet und riskiert erst dann die Sichtung. Für mich ist „Dark“ ganz klar die ansprechendere Grusel-Produktion aus unseren Gefilden, doch selbst im internationalen Markt dürfte „Hausen“ aufgrund seiner Qualität ein Wörtchen mitreden dürfen.

7,5/10

Fotocopyright: Eye See Movies (AV Visionen)

The Undoing

Inhalt

Auf den ersten Blick sind Grace und Jonathan ein glückliches, wohlhabendes Paar, doch nachdem eine eher locker bekannte Dame tot aufgefunden wird, ändert sich deren Leben schlagartig. Jonathan gerät plötzlich unter Mordverdacht und seine Frau weiß bald nicht mehr, was sie noch glauben soll…

Fazit

Mit gerade einmal 6 Episoden mit jeweils deutlich einer Stunde ist „The Undoing“ eine relativ kompakte – aber keinesfalls langweilige – Angelegenheit, die durchwegs mit Hochspannung und brillanten Darstellern punkten konnte.

Schon nach wenigen Minuten hat mich die hochwertige Inszenierung gnadenlos in den Bann gezogen und dann fiel erst der Fokus auf die erstklassigen Darsteller, die ihr tolles Spiel bis zum bitteren Ende durchziehen konnten. Noch nie habe ich Nicole Kidman oder Hugh Grant besser gesehen und in seinen markanten Auftritten sorgte Urgestein Donald Sutherland für angenehme Gänsehaut. Es hat richtig Spaß gemacht den erfahrenen Akteuren bei ihrem Spiel zuzuschauen und ehrlich gesagt haben sie echte Emotionen beim Betrachter geweckt – was zumindest bei mir – eher selten in dieser Form gelingt.

Die Geschichte ist nicht nur optisch perfekt eingefangen, sondern durchwegs auch sehr wendungsreich und dicht geschrieben. Oftmals kreide ich mangelnde Innovation oder Ideenarmut an, doch hier wurde aus einer simplen Ausgangslage ein extrem spannendes Konstrukt generiert – welches sogar alteingesessene Hasen hin und wieder angenehm überraschen konnte und auf falsche Fährten führte. Man kann sich seinen Theorien und seinen Figuren niemals sicher sein und hadert fast bis zur letzten Minute mit der Auflösung. Dies ist gerade in heutigen Zeiten und einem Überfluss an Filmen und Serien nicht mehr selbstverständlich und spricht für ausgezeichnete Autoren.

Im Internet wurde diese Mini-Serie etwas gehypt und diesmal muss ich gnadenlos einstimmen. „The Undoing“ gehört wirklich zu den besten TV-Ereignissen der letzten Jahre und überzeugt mit raffinierter Handlung, exzellenten Darstellern und anmutiger Inszenierung. Wer auf gute Thriller steht, sollte unbedingt mal einen Blick riskieren und der Suche nach dem wahren Täter eine Chance geben.

9/10

Fotocopyright: HBO/Sky

Nightmares & Dreamscapes: Nach den Geschichten von Stephen King

Inhalt

Die Mini-Serie „Nightmares & Dreamscapes“ behandelt 8 Kurzgeschichten von Horrormeister Stephen King, die fast allesamt mit einem bösen Erwachen enden…

Fazit

Ich mache mir jetzt nicht die Mühe zu jeder einzelnen Episode eine ausführliche Inhaltsangabe zu schreiben und fasse das Gesamtwerk in dieser Kritik mal zusammen.

Erst vor ein paar Tagen habe ich mir noch eine Adaption der Geschichte „Verdammt gute Band haben die hier“ gewünscht und gar nicht bemerkt, dass sie schon etliche Jahre ungesehen in der Sammlung schlummert. Die DVD-Box von „Nightmares & Dreamscapes“ habe ich vor langer Zeit mal in der Videothek erworben – und bis auf die erste Folge nicht weiter geschaut. Nun hatte ich endlich die Muse dazu und bin am Ende etwas geteilter Meinung.

Die Geschichten sind teils recht originell („Battleground“, „Das Ende vom Ende“, „Rock ’n’ Roll wird niemals sterben“), aber teils auch bodenständig und relativ vorhersehbar. Die Qualität schwankt und obwohl es keine echten Ausreißer nach unten gab, gab es auch keine hervorstechenden Highlights.

Da die Serie schon ein paar Tage auf dem Buckel hat, bemerkt man durchwegs den Zahn der Zeit. Alles ist auf TV-Niveau inszeniert und die paar CGI-Effekte heute nicht mehr der Rede wert. Zwar gab es die Beteiligung einiger cooler Gaststars wie William Hurt, Claire Forlani, Tom Berenger oder William H. Macy – die allesamt wohl eher wegen der Thematik an sich, statt des großen Geldes mitgewirkt haben.

Die meisten Handlungsstränge haben mich aufgrund ihrer hier präsentierten Erzählweise sehr an „Outer Limits“ erinnert, obwohl ein Moderator natürlich gefehlt hat. Die in sich abgeschlossenen – und nicht zusammenhängenden – Episoden hatten zumeist ein offenes Ende und klärten den Kern der Sache meistens nicht auf. Dies erwies sich stellenweise als korrekte Entscheidung, manchmal ließ es aber auch fragend zurück. Da ich allerdings einen Teil der Geschichten selbst gelesen habe, kann ich jedoch die korrekte Umsetzung derer in dieser Form bescheinigen.

Ich liebe King und sauge eigentlich alles an seinen Werken auf und hatte trotz kleinerer Unzulänglichkeiten durchaus meinen Spaß mit „“Nightmares & Dreamscapes“. Gute Folgen wogen eher unspektakuläre auf und so war das Gesamtresultat durchaus in Ordnung. Sicherlich bemerkt man das mangelnde Budget an vielen Ecken, doch unterm Strich zählt die Originalität und die war stellenweise außergewöhnlich hoch.

7/10

Fotocopyright: Warner Home Video

Lovecraft Country – Staffel 1

Inhalt

Die 50iger Jahre. Kriegsheimkehrer Atticus Freeman  erhält einen mysteriösen Brief von seinem Vater und will sich auf die Spuren von selbigen machen. Es wurde von einem geheimen Erbe gesprochen – und das lässt auch andere Teile seiner Verwandtschaft nicht kalt. Kurzum unternehmen die Neugierigen einen unvergesslichen Ausflug nach Ardham…

Fazit

Bisher habe ich es immer elegant vermieden, großartige Worte zur Person von H.P. Lovecraft himself zu verlieren – aber hier werden nicht nur Elemente aus seinen Werken, sondern auch eine gewisse Haltung zu seiner Einstellung aufgegriffen.

Lovecraft gilt nicht nur als einer der größten Autoren fantastischer Literatur, sondern auch als schwieriger Mensch und übler Rassist. Viele Menschen boykottieren deshalb mittlerweile seine Werke, aber die Macher dieser Serie fassten den richtigen Ansatz.

So wurden fast alle Rollen mit Farbigen besetzt und das Thema Rassismus ziemlich präsent in den vom Autor gegebenen Rahmen eingeflochten. Das nimmt nicht nur die Angst vor dem umstrittenen Schöpfer, sondern zeigt wie man trotzdem mit seinen positiveren Ergüssen umgehen kann und überhaupt nichts verteufeln muss.

Als Fan der Materie (egal ob Computer-, Brettspiel, Film oder Roman) war ich vom Gedanken der Serienadaption sofort hin und weg. Ich habe der Produktion wirklich entgegengefiebert, doch blieb am Ende ein wenig ernüchtert zurück.

Die ersten 3-4 Episoden des bis dato 10teiligen Auftakts waren recht gut und äußerst vielversprechend, aber dann wurde das Treiben selbst für meine Auffassung viel zu absurd und schwierig nachvollziehbar. Man sprang nicht nur zwischen diversen Schauplätzen und Charakteren hinterher, sondern sprang irgendwann auch ungeniert zwischen diversen Zeiten hin- und her.

Dabei klärte man den Zuschauer wenig auf und verlange das Zusammenbauten der Versatzstücke in Eigenregie – was nicht immer zu hundertprozent gelang und einige Fragen offen ließ. Manche Szenen hat man sogar überhaupt nicht kapiert – und dann auch nicht die Lust zum weiteren sinnieren darüber gehabt.

Sicherlich hat das Geschehen wegen seiner starken politischen Einflüsse und der unentwegten Gesellschaftskritik sowieso eine extra Portion Aufmerksamkeit verdient, doch selbst mit dieser Einstellung fiel das Folgen oftmals schwer. Dazu gesellte sich ein optischer Überreiz, der kaum bei einmaligen Betrachten vollends verarbeitet werden konnte. Die Serie bot extrem starke, aber auch teils äußerst blutige Bilder, die nichts für schwache Nerven sind und so prima zum Setting passten.

Die Darsteller wurden gut ausgewählt und haben ihren Rollen ordentlich Profil. Sie spielten allesamt wirklich hervorragend und haben keinerlei Grund zum Klagen. Die Alltagsprobleme kamen glaubwürdig und schmerzlich nachvollziehbar rüber – der Grusel lag eher in den realistischen Momenten, denn in der Fantasie von Howard Phillips.

Die Idee ist genial, die Umsetzung zumindest technisch und audiovisuell vorzüglich und dennoch hält sich meinen Gesamtbegeisterung etwas in Grenzen. Seine verworrene Inszenierung gab mir immer wieder kleinere Dämpfer und so reicht es nicht für höhere Wertungsregionen. Ich wurde bis zu einem gewissen Grad erstklassig unterhalten, aber dann auch wieder mit verworrenen Strängen genervt. Eine Fortführung wurde ich auf jeden Fall begrüssen und würde dann auf eine übersichtlichere Struktur hoffen.

7/10

Fotocopyright: Sky/HBO

The Mandalorian – Staffel 2

Inhalt

Noch immer sind Mando und das Kind unterwegs und langsam verdichten sich erfolgsversprechende Spuren. Der Kopfgeldjäger ist Jedis auf der Schliche – die, wenn es gut läuft – die wertvolle Fracht übernehmen und korrekt ausbilden…

Fazit

Für viele Enthusiasten galt die erste Staffel der neuen „Mandalorian“-Serie als das Beste, was „Star Wars“ in den letzten Jahren überhaupt passiert ist und da gebe ich ihnen soweit recht. Mit kurzen und knackigen Episoden entstand ein guter Flow und nicht zuletzt wegen „Baby Yoda“ wurde ordentlich Fan-Service betrieben.

Ich persönlich fand den Auftakt sehr ordentlich, aber auch nicht so überragend, wie man es in manchen überschwänglichen Reviews zu lesen vermag. Gut hingegen, dass die nunmehr zweite Staffel die alten Tugenden beibehielt und sich überall auf mindestens dem gleichen – guten – Niveau bewegte und sogar noch etwas mehr für Eingeweihte in der Hinterhand behielt.

Die Grundgeschichte ist simpel und zieht sich erneut wie ein roter Faden durch alle Folgen. Jede Einzelne ist an sich dann schön kompakt und mit wenig Leerlauf bestückt. Alles ging jederzeit prima voran und manchmal hätte man gern noch mehr Zeit mit unseren sympathischen Helden verbracht.

Anspielungen an die Hauptreihe sind ebenso vorhanden, wie diverse Gastauftritte bekannter Gesichter oder Raumschiffe. Dies ist meist extrem gut eingeflochten und vor allem stets feinfühlig ausbalanciert. Man gab den neuen Figuren genügend Raum zur Entfaltung, um dann zur richtigen Zeit wieder mit vertrauten Elementen um die Ecke zu kommen.

Über das Finale wurde viel berichtet und ich werde es natürlich nicht spoilern. Jedoch möchte ich anmerken, dass es bereits vor der Ausstrahlung der ersten Folge schon passende Hinweise im Netz gab und die letzten Minuten exakt so beschrieb, wie sie letztlich auch eingetroffen sind. Als die ominöse Gestalt also zum ersten Mal die Bildfläche betrat, wusste ich sofort das der Leak gestimmt hatte und wer gleich seinen Umhang zur Seite schiebt.

Wer die Marke liebt, bekommt mit „The Mandalorian“ eine wirklich brauchbare Serienauskopplung. Stellenweise erinnert das Geschehen an klassische Westernfilme, aber immerhin kupferte man nicht wieder bei sich selbst ab und gab sich um frische Akzente bemüht. Das war überwiegend sehr kurzweilig und auf jeden Fall sehenswert. Hoffen wir, dass bei all den neu angekündigten Produktionen die Qualität nicht auf der Strecke bleibt und es so anständig weitergeht.

8/10

Fotocopyright: Disney

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