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Sløborn – Staffel 2

Inhalt

Evi hat es zurück auf die Insel und in die Arme ihrer Brüder geschafft, doch von ihren Eltern gibt es nachwievor keine Spur. Sie arrangieren sich mit dem Leben mit wenigen anderen Überlebenden, wissen allerdings auch nicht, wie es im Rest der Welt mit der Pandemie ausschaut. Bald werden auch neue Gefahren auf sie zukommen…

Fazit

Kaum habe ich die ersten Staffel auf Netflix abgeschlossen, stand auch schon die Fortsetzung in der Mediathek vom ZDF zum Abruf bereit. Lange habe ich natürlich nicht gefackelt und die Produktion am Wochenende komplett durchgezogen.

Die Geschehnisse knüpfen nahtlos an die Vorherigen an. Noch immer befinden wir uns auf Sløborn und treffen auf vertraute Gesichter. Aufgrund der herrschenden Isolation und Einsamkeit konnte man sich gut in deren Lage hineindenken und schmerzlich mit ihnen fühlen. Die Thematik hat nichts an Aktualität verloren und zeigt schmerzliche Parallelen zu realen Gegebenheiten auf.

Besonders gut hat Alvart die trostlose Atmosphäre eingefangen. Die leeren Straßen sorgen für Gänsehaut und lassen uns prima darin abtauchen. Dabei wirkt das Gebotene glaubhaft und nicht einfach wie bei einem 08/15-Endzeitfilm dahingeklatscht. Alles hat einen verständlichen Ursprung und eine konsequente Weiterentwicklung erlebt.

In den gerade einmal 6 Episoden macht die Handlung keine extremen Sprünge, gefiel aber mit dichter und ungemein spannender Erzählweise. Es gab keinerlei Durchhänger und man blieb gebannt am Ball. Die großartigen Darsteller wuchsen weitestgehend ans Herz (sofern nicht durch den Vorgänger schon geschehen) und boten interessante Eindrücke in deren unterschiedlichen Verhaltensweisen.

Zum Horror gesellte sich die Gesellschaftskritik noch deutlicher hinzu. Eindrucksvoll erleben wir erneut, wie Menschen sich in Extremsituation verändern, aber auch wie so etwas zusammenschweißen kann. Richtig gut gefiel hierbei die Zeichnung von Gruppendynamiken und wie schnell eine aussichtsreiche Stimmung noch einmal umschlagen kann.

„Sløborn“ geht ein bisschen in die Richtung „Herr der Fliegen“ und macht grundsätzlich wieder alles richtig. Die Spannungskurve passt und der Unterhaltungswert ist gegeben. Man suchtete das neue Futter innerhalb kürzester Zeit durch und bot am Ende einen Cliffhanger, der natürlich zum Dranbleiben animiert. Ich freue mich jedenfalls schon auf weiteres Material!

8/10

Fotocopyright: ZDF

Kitz – Staffel 1

Inhalt

Lizzi lebt im Kitzbühl und stammt aus eher einfachen Verhältnissen. Vor einem Jahr hat ihren geliebten Bruder verloren und diesen Schmerz noch nicht überwunden. Sie gibt den Kids der reichen Touristen aus Deutschland dafür die Schuld und hat einen perfiden Racheplan ausgearbeitet…

Fazit

Die Kritiken zur ersten Staffel von „Kitz“ waren eher gemischt und in vielen Punkten muss ich den Autoren auch recht geben. Man griff viele Vorurteile und Klischees auf und setzte mit aller Gewalt auf eine hippe Darstellung der Ereignisse – aber trotzdem war das Gebotene irgendwie sehr unterhaltsam.

Die Welt der Reichen und Schönen ist sicherlich nicht mein Milieu und so fiel das Hineindenken in die Figuren nicht gerade einfach, trotzdem konnte man sich gut fallen lassen. Es ging jederzeit recht kurzweilig zur Sache und Längen waren in den gebotenen 6 Episoden nicht zu verzeichnen.

Das ganze Konstrukt hat etwas an „Revenge“ erinnert, da die Prämisse doch recht ähnlich ausfiel. Auch hier zogen sich Rache-Motive durch die ganze Serie und es gab immer mal wieder interessante Wendungen – inklusive Cliffhanger am Ende der Staffel.

Lebenswert die hochwertige, fast schon verschwenderische Inszenierung – die natürlich optimal zum Setting gepasst hat. Teure Klamotten, dicke Autos und verschwenderische Partys inklusive. Alles wirkte sehr stimmig und glaubhaft – ohne es bis ins Detail mit eigenen Erfahrungswerten bestätigen zu können. Dies hatte durchaus einen Touch von amerikanischen Soaps ala „Reich und Schön“, ohne seine europäische Herkunft zu leugnen.

Man muss sich nicht immer mit allen Dingen identifizieren müssen und auch einfach mal was unterhaltsames für Nebenbei laufen haben. Die Welt von „Kitz“ konnte ich eigentlich nur belächeln und trotzdem habe ich das Ding an zwei Tagen – wie gesagt nebenher – „durchgebincht“ und mich nicht unbedingt gelangweilt gefühlt. Die Parallelen zu US-Produktionen waren nicht zu übersehen, doch schlimm war das nicht. Der Erzählfluss war prima, die kleinen Intrigen und Wendungen grundsolide – eine zweite Staffel würde hier sicherlich auch über den Bildschirm flackern.

7/10

Fotocopyright: Netflix

Die Wespe – Staffel 1

Inhalt

Ende der 90iger war „Die Wespe“ mal eine große Nummer im Dart-Geschäft und hat sogar einige Meisterschaften abgeräumt. Heute hält sich lieber mit kleinen Tricksereien über Wasser und lebt sein Leben vor sich hin. Als ihn dann eines Tages seine Frau für einen jüngeren Konkurrenten verlässt, ist sein Ehrgeiz erneut geweckt. Er zieht nicht nur bei seinem alten Trainer ein, sondern probt fleißig für die kommenden Turniere…

Fazit

Pünktlich zur aktuellen Dart-Session zu Weihnachten liefert uns Sky hier eine passende Serie mit viel Humor und Charme ab. Die wenigen, kurzen Folgen vergingen fast wie im Flug und waren äußerst unterhaltsam gestrickt. Es gab keinen Leerlauf, dafür echt kultverdächtige Typen und entsprechend spaßige Situationen.

Florian Lukas war in seiner Rolle als heruntergekommer Ex-Meister mindestens so grandios wie sein Kumpane Ulrich Noethen. Bei Ihren Dialogen blieb selten ein Auge trocken und man konnte sich in viele derer Situationen zumindest halbwegs mit dem Kopf hineindenken. Sie waren – ebenso der Rest der Figuren – zwar etwas überzeichnet, aber nicht allzu weit weg vom echten Leben. Man wurde auf Anhieb mit allen warm und kann ihren jeweiligen Motivationen einwandfrei folgen.

Allgemein war die Produktion nicht unbedingt tiefgründig, verschachtelt oder sonst wie überkomplex – was letztlich auch den größten Reiz ausmachte. Es ging hier nicht um weltbewegende Themen, aber so für mal Nebenbei ging das locker Vorgetragene vollkommen klar. Man kam sofort ins Geschehen rein und konnte dem unterhaltsamen Treiben ohne größere Hirnarbeit folgen.

Man muss nicht unbedingt ein Freund des gepflegten Kneipensports sein, um an dieser Serie seinen Spaß zu haben. „Die Wespe“ ist mit seiner leicht naiven Leichtgängigkeit jedenfalls eine willkommene Abwechslung zu anderen Schwergewichten und ein netter Snack für Zwischendurch. In Erinnerung wird das Gebotene sicherlich nicht bleiben – aber das muss es ja auch nicht. Wer schon damals Serien wie beispielsweise „Die Camper“ mochte, der wird auch diese Produktion zu schätzen wissen.

7/10

Fotocopyright: Sky

Hawkeye – Staffel 1

Inhalt

Für Clint sollte es endlich mal wieder ein gemeinsames Weihnachten mit der Familie werden, doch dann gerät ihm eine junge Dame in die Quere. Kate kann ebenfalls gut mit dem Bogen umgehen und zieht mit ihren waghalsigen Aktionen die Aufmerksamkeit der Unterwelt auf sich…

Fazit

Ich bin zwar weder großer Fan der „Avengers“, noch explizit der Figur von „Hawkeye“ und trotzdem wollte ich dieser kleinen Serie mal eine Chance geben. Bereits jetzt darf ich schon verraten, dass mir das Ergebnis erstaunlich gut gefallen hat und die 6 Episoden an gerade einmal zwei Abenden „durchgebincht“ wurden.

Die überschaubare Spielzeit kam der Kurzweil ungemein zu Gute. Man bewahrte jederzeit ein hohes Tempo mit einer guten Mischung aus Charakterentwicklung, Humor und Action bei. Kein Part kam zu kurz, kein Part nahm irgendwie die Überhand. Der Handlung war einfach zu folgen, dennoch bot sie eine gewisse Komplexität mit Tiefgang.

Die Figuren fühlten sich – im Gegensatz zu den gängigen Superhelden – angenehm frisch und unverbraucht an. Man erfährt zwar nicht wirklich viel über den Background von „Hawkeye“ himself, lernt ihn aber als sympathischen Familienvater kennen, der keine Scheu vor peinlichen Aktionen oder großen Gefühlen hat. Dabei wirkt alles harmonisch und keineswegs so aufgesetzt wie bei anderen Werken.

Überhaupt hat die Chemie zwischen den Hauptfiguren hervorragend gepasst. Das Geschehen fühlte sich nur selten wie ein typischer Buddymovie an, vielmehr zeigte es seine Akteure auf Augenhöhe und rasch als gleichwertige Partner. Flotte Sprüche – zum Teil auch während der hübsch gefilmten Action – machten ebenfalls einen großen Reiz aus und trugen ihren Teil zum Gelingen bei.

Optisch hat mir das Ganze sehr gut gefallen. Die Locations waren liebevoll ausgeschmückt und die gekonnt eingesetzte Action grandios inszeniert. Es ging verhältnismäßig wenig zu Bruch, dafür aber mit viel Stil und lockerer Gangart.

Für mich war „Hawkeye“ eine wunderschöne Serie zur Weihnachtszeit – auch wenn sie das Thema mehr oder weniger am Rande streift. Durch seine reichlich geschmückten Kulissen kamen ordentliche Vibes auf und der Rest hat sowieso gepasst. Klar schien Effekttechnisch alles eine Nummer kleiner, als bei den Kinofilmen, aber grade dieser Punkt hat mir wahrscheinlich am besten gefallen. Die Serie war greifbarer, menschlicher und insgesamt viel besser ausgelotet. Nicht zu viel Krawum und auch nicht zu wenig. Unterm Strich also eine runde Sache mit einwandfreiem Flow – gerne Mehr davon.

7,5/10

Fotocopyright: Disney

The Witcher – Staffel 2

Inhalt

Nach der großen Schlacht sind Gerald und Ciri auf dem Weg nach Kaer Morhen, der Zufluchtsstätte der Hexer. Dort soll die junge Dame zur schlagfertigen Kriegerin ausgebildet werden, während parallel im Lande eine Säuberungsaktion der Herrschenden im vollen Gange ist…

Fazit

Nachwievor gehört „The Witcher“ und dabei insbesondere der dritte Teil zu meinen absoluten Lieblingsspielen und der Hunger auf weitere Geschichten in Serienform war nach der ausgezeichneten ersten Staffel noch lange nicht gestillt. Nun kam endlich die zweite Season daher – und wurde an einem Wochenende durchgesuchtet.

Die Handlung knüpfte nahtlos an die vorherigen Ereignisse an und hält uns nicht länger mit Rückblenden oder Erklärungen auf. Wir werden direkt ins Geschehen geworfen – weshalb Neueinsteiger zunächst wirklich von Anfang an beginnen sollten.

Freunde des Videospieles dürften sich auch spätestens jetzt die Hände reiben. Waren viele Elemente für Unkundige der Bücher zunächst noch etwas abstrakt, kommen hier wesentlich mehr bekannte Elemente aus den Games zum Tragen. Neben bereits bekannten Figuren reisen wir auch in vertraute Städte oder vernehmen die Namen von Kreaturen, die wir schon selbst gebändigt haben. Dies sorgte für einen unglaublichen Atmosphäre-Bonus, der mir in dieser Form beim Auftakt seinerzeit noch etwas verwehrt blieb.

An der hochwertigen Inszenierung hat sich zum Glück auch nichts verändert. Die Serie bietet eine geniale Optik, einen wunderschönen Soundtrack und eine tolle deutsche Vertonung. Die deutsche Stimme von Gerald dröhnt fast schon Gänsehaut-erregend aus dem Subwoofer und gibt dem Kerl einen coolen Touch. Erneut gefielen Outfits, Waffen und die Interpretation der zum Teil bereits im Spiel erkundeten Landschaften. Man konnte sich wunderbar im düsteren Fantasy-Setting fallen lassen und dem spannenden Verlauf frönen.

Das Geschehen gab sich dabei sehr reif und erwachsen, was sich nicht nur am hohen Härtegrad abzeichnete. Vielmehr stach die allgegenwärtige Gesellschaftskritik mehr als deutlich hervor und schien keinen Hehl aus seinen Aussagen zu machen. Man konnte die Botschaften – durch Zwerge und Elfen verkörpert – gar nicht missverstehen und trotzdem hat das Konzept hier prima funktioniert. Nichts wirkte aufgesetzt oder irgendwie bemüht.

Mit etwas Kritik möchte ich dennoch nicht hinter dem Berg halten. Manche Kämpfe sahen – im Vergleich zum bombastischen Rest – nicht ganz so elegant und manchmal fast schon ein bisschen unbeholfen aus. Irgendwie flogen mir die Akteure zuweilen etwas „billig“ durch die Luft und das „Treffer-Feedback“ kam nicht so gut rüber. Abgesehen davon schwächelte die Produktion auch beim Schlusspart – den ich hier natürlich nicht spoilern werde. Es sei gesagt, dass alles etwas laberlastig und leider auch zu vorhersehbar daher kam. Das war vermutlich der Buchvorlage geschuldet und kostet daher auch keine Punkte auf dem Wertungskonto.

Während die erste Staffel von „The Witcher“ mit seiner leicht verschachtelten Erzählweise teils auf berechtigte Kritik stieß, hat man besonders in diesem Punkt nachgebessert und die Handlung der aktuellen Episoden in chronologischer Reihenfolge aufgebaut. Dies und andere Faktoren kamen der zweiten Staffel immens zu Gute, weshalb sich Fans erneut auf aufregende Fantasykost freuen dürfen. Das Finale bot zwar ein paar fiese Cliffhanger – doch ich bin guter Dinge, dass es weitere Abenteuer mit unseren lieb gewonnen „Helden“ geben wird.

8/10

Fotocopyright: Netflix

This is England ’86, ’88, ’90

Inhalt

Während „Combo“ seine Tage im Knast verbringt, geht das Leben seiner damaligen Freunde in halbwegs geordneten Bahnen mehr oder weniger holprig weiter. Während Shawn wieder in die Gruppe integriert wird, spielen Dramen bei Lol und Woody ab…

Fazit

Der Film (kürzlich hier besprochen) ist für mich ein wahrer Klassiker und die Serienauskopplung hat mittlerweile auch einen kleinen Kult-Status erreicht. Obwohl ich die „86er“-Variante bereits auf meiner alten Webseite (Review hier) ausführlich besprochen habe, möchte ich hier das Gesamtgebilde noch einmal mit ein paar Worten zusammenfassen.

Erneut gelang Regisseur Shane Meadows einen authentischen Blick auf die englische Jugend der jeweiligen Epoche. Erneut verquickt er das Subkultur-Thema mit dem „normalen Erwachsenwerden“ und liefert uns – dank überschaubarer Episodenanzahl – knackige Unterhaltung mit hohem Sympathiegehalt.

Die Serie fühlt sich wie ein Treffen mit alten Freunden an. Alle wichtigen Figuren des Filmes konnten wieder zusammengetrommelt werden und sie haben sich auch entsprechend weiterentwickelt. Es stehen wichtige Entscheidungen ins Haus, doch seinen „Way of Life“ möchte man dabei nie untreu werden. Das kam bei anderen Produktionen meist nie so explizit rüber – und vor allem wirken solche Verhaltensweisen im Anbetracht der authentischen Darsteller umso glaubhafter.

Man versteht sich allerdings nicht nur als reine Biografie, sondern in gewisser weise auch als Satire und Verarbeitung eigener Erlebnisse. Viele Elemente wie Outfits oder Verhaltensweisen der Akteure wurden teilweise so überspitzt, das man sich kleinere Lacher nicht verkneifen konnte und dennoch die eigentliche Message nicht aus dem Augen verlor.

Besonders gut gefiel mir der Wandel weg von der Politisierung. Die Charaktere führten wieder ihr normales Leben und waren über die Aufputschversuche von „Combo“ hinweg. Natürlich nicht ohne Nachwehen, aber immerhin so skizziert, dass man ihnen glauben und sich gut in deren Haut hineinversetzen konnte. Es ging auch weniger um die Verkörperung von Reue, vielmehr blieb der Zeigefinger unten und der Zuschauer konnte sich seinen eigenen Teil denken. Es ging einfach weiter und alte Naben begleiteten unsere „Helden“ unentwegt.

„This is England“ mag nicht frei von kleinen Übertreibungen und Lachern sein, besitzt im Inneren aber ganz viel Herz und porträtiert eine Generation so vortrefflich, wie kaum eine andere Serie zuvor. Man kann sich prima in die Figuren hineindenken und die meisten Entscheidungen zu hundertprozentig nachvollziehen. Hier wirkt alles extrem „echt“ und trotzdem so charmant und liebenswürdig. Der britische Humor ist ja sonst weniger mein Ding, doch hier passen selbst solche Akzente wie die Faust aufs Auge und machen die Produktion insgesamt so herausragend. Ich hoffe, dass die Reihe irgendwann weitergeht und wir weitere Abenteuer mit unserem schrägen Chaoten miterleben dürfen.

8,5/10

Fotocopyright: Ascot Elite Home Entertainment

Dig Deeper: Das Verschwinden von Birgit Meier

Inhalt

In dieser 4teiligen Dokumentation wird das Verschwinden von Birgit Meier im Jahr 1989 aufgearbeitet. Familienangehörige und damalige Ermittler lassen die Ereignisse noch einmal Revue passieren und machen auf Fehler oder schlichtweg Versäumnisse bei den Ermittlungsarbeiten aufmerksam…

Fazit

Es müssen nicht immer Filme oder fiktive Serien sein. Auch bei Dokumentationen hat Netflix so Einiges zu bieten und ein positives Beispiel hierfür ist aktuell sicherlich „Dig Deeper: Das Verschwinden von Birgit Meier“.

In 4 spannenden Episoden rekonstruieren die Macher einen wahren Kriminalfall, der nicht frei von Pannen und Fehlern ablief. Interessanterweise urteilen aber grade die damals involvierten Beamten hart über sich und Kollegen – es gab weniger Vorwürfe aus dem Umfeld der Vermissten.

Das ganze Projekt ist sehr dialoglastig und in der Bildqualität schwankend, entfacht aber einen ordentlichen Sog und ließ mich konzentriert am Ball bleiben. Klar war der geschilderte Fall zunächst nicht der spektakulärste seiner Art – doch nachvollziehbar aus dem Leben gegriffen und bei weitem nicht so abgenudelt wie andere Ereignisse, deren Bilder man schon zu oft im TV gesehen hat. Gesagt sei allerdings, dass die Wellen gegen Ende weitaus höher schlagen, als es zunächst den Eindruck machte und eine gewisse Fassungslosigkeit zurück blieb.

Über Handlung oder Darsteller zu philosophieren wäre an dieser Stelle sinnfrei. Das Gezeigte zeichnet wahre Begebenheiten nach und liefert uns reale Personen, die mit ihren sachlichen Schilderungen und guter Ausdruckweise durchwegs gefielen. Emotionen waren sicherlich eine Menge zugegen und dennoch blieben die Ausführungen erfreulich seriös und einwandfrei ausformuliert. Das hat mir sehr gut gefallen und war der Stimmung ungemein zuträglich. Auch konnte man mal kurz die Augen schließen und den tollen „Erzählern“ weiterhin ausgezeichnet folgen.

Es muss nicht immer laute Action oder übertriebener Herzschmerz sein, denn auch eine gut gemachte Doku-Reihe kann prima unterhalten. „Dig Deeper“ ist jetzt sicherlich Nichts wofür ich extra Kohle in die Hand nehmen würde, doch als „gratis“ Artikel im bestehenden Netflix-Abo habe ich das Gebotene gerne mitgenommen und war für die interessanten Einblicke zu diesem – für mich vollkommen unbekannten – Fall sehr dankbar. Wer solche Formate zu schätzen weiß, wird definitiv auf seine Kosten kommen.

7,5/10

Fotocopyright: Netflix

Sløborn – Staffel 1

Inhalt

Sløborn ist eine kleine verschlafene Nordseeinsel und nur selten im Zentrum von weltbewegenden Ereignissen. Als jedoch ein Boot mit Leichen angeschwemmt wird, bricht das Unbehagen aus. Eine schlimme Seuche macht sich breit und die Eindämmung gestaltet sich als extrem schwierig…

Fazit

Gerade in der heutigen Zeit sind die Menschen wohl etwas sensibilisiert für Produktionen, die sich mit Pandemien beschäftigen und teils drastische Bilder zeigen. „Sløborn “ ist jedoch vor der aktuellen Eskalationslage entstanden und trug hierdurch glücklicherweise auch nie den Beigeschmack des schnellen Geldes. Vielmehr steht – zumindest am Anfang – weniger das dramatische Großereignis, vielmehr die Alltags-Schicksale seiner einzelnen Anwohner im Fokus. Und das haben die Produzenten auf eigene Weise richtig gut in Szene gesetzt.

Schon auf den ersten Blick fällt die extravagante, fast schon künstlerische Optik ins Auge. Mit warmen Farben, harten Kontrasten und interessanten Kameraperspektiven wird ein eigenwilliger, jedoch extrem hochwertiger Look geschaffen. Alles fühlt sich nach großen Kino an und das Abtauchen fiel da umso einfacher.

Bei den Darstellern gab es bekannte Gesichter aus der hiesigen Fernsehlandschaft zu erblicken und an deren Leistung hier keineswegs etwas zu beanstanden. Erneut hat mir Wotan Wilke Möhring sehr gut gefallen, wobei ihm seine Filmtochter Emily Kusche in Nichts nach stand und meist sogar eine noch wichtigere Rolle im Gesamtbild einnahm. Überhaupt haben alle ihre Sache hervorragend gemacht und trugen mit ihrem zuweilen recht befremdlichen Auftreten ihren Teil zum gelungenen Grusel bei.

Die Handlung war im Grunde gar nicht mal so originell oder tiefgründig, doch seine unkonventionelle Machart gab dem Ganzen einen andere Sichtweise. Viele Momente waren verdammt nah an der Realität und gaben der Produktionen gerade im letzten Drittel immense Schübe an Gänsehaut. Man könnte meinen, dass die Macher sich ausführlich mit dem Thema beschäftigt und Fachleute hinzugeschaltet haben – und nun zu echten Experten geworden sind und die derzeitige Lage sicherlich gut einsortieren können.

Durch seine irgendwie leicht bizarre Machart mit schrägen Charakteren und einem recht unvorhersehbaren Verlauf zog die ersten Staffel von „Sløborn“ in ihren Bann. Plätscherte die erste Folge noch etwas vor sich hin, nahm das Geschehen alsbald ordentlich an Fahrt auf und ließ uns bis zum bitteren Ende nicht mehr vom Haken. Die vielen Parallelen zur aktuellen Realität waren beängstigend und packend zugleich. Wer mit dem Thema keine Probleme hat und grundsätzlich nichts gegen europäische Produktionen hat, sollte unbedingt mal reinschauen. Ich fiebere einer (wohl zum Glück bereits genehmigten) Fortsetzung entgegen und kann nur eine warme Empfehlung aussprechen.

8,5/10

Fotocopyright: Tobis (Vertrieb LEONINE)

Furia – Staffel 1

Inhalt

Um einem möglichen Vergeltungsschlag eines alten Widersachers zu entgehen, lässt sich ein Elitepolizist ins norwegische Hinterland versetzen und hofft dort auf ein ruhigeres Leben mit seiner kleinen Tochter. Schon an seinem ersten Tag macht er jedoch die Bekanntschaft mit einigen merkwürdigen Anwohnern mit offenkundig rassistischen Tendenzen. Er ahnt nicht, wie gut diese Typen mit dem Ausland vernetzt sind und welche größeren Ziele sie verfolgen…

Fazit

Mit „Furia“ präsentiert uns das ZDF eine Serie mit einer grundsätzlich interessanten und aktuellen Handlung, die jedoch insgesamt nicht auf allen Eben überzeugen konnte und mit vielen offenen Fragen auf einen hoffentlichen Fortgang abzielt.

Manchmal hatte man das Gefühl, dass die Macher einfach zu viel wollten und manche Dinge auch nur bewusst streifen und nicht voll ins Visier nehmen wollten. Dies kam zwar der Kurzweil zu Gute, mindert aber Verständnis und Tiefe an anderer Stelle. Während einige Elemente und Personen wirklich gut ausgearbeitet wurden, wirken andere Bestandteile eher schablonenhaft und dem brechen mit dem sonstigen, sorgfältig aufgebauten Konstrukt.

In einigen Bereichen gab man sich sorgsam und detailreich, bei anderen Abschnitten wiederum viel zu simpel mit der Vorstellung eines möglichen Handlungsverlaufs. Im Extremfall würden Wahlen viel zu einfach verschoben und das stabile Europa viel zu schnell in eine Kriese gestürzt. Ich möchte hier natürlich nicht spoilern, diese Ausfälligkeiten jedoch nicht unter den Tisch fallen lassen.

Die bunt gemischten Darsteller haben ihre Sache größtenteils sehr gut gemacht und gaben keinen Grund zur Klage. Ein bisschen gestört hat mich allerdings die Synchronisation der fremdsprachigen Kollegen, die mit teils wenig Emotionen und unpassenden Stimmen geglückt wurden. So kam die Ernsthaftigkeit der Lage nicht immer vollends rüber und so manch Dialog erschien leicht anstrengend.

Als gescheitertes Projekt würde ich „Furia“ nicht bezeichnen, doch hin und wieder ein wenig mehr Fokussierung gewünscht. Kritik an zerfaserten Systemen kam gut rüber und der Kerngedanke war nicht ohne, aber die Umsetzung letztlich „nur“ okay. Man hat sich zwar nie gelangweilt, manchmal einfach mehr Mitfiebern gewünscht. Bei einer weiteren Staffel wäre ich aber auf jeden Fall wieder dabei.

7/10

Fotocopyright: ZDF

Alice in Borderland -Staffel 1

Inhalt

Arisu hängt die meiste Zeit auf der Couch ab oder beschäftigt sich mit Videospielen. Als er eines Tages jedoch das Haus verlässt und sich in einem scheinbar völlig menschenleeren Tokyo wiederfindet, ist seine sonst so bescheidene Aufmerksamkeit geweckt. Auf der Suche nach anderen Personen, wird er mit immer schrecklicheren Details konfrontiert…

Fazit

„Alice in Borderland“ profitiert sicherlich auch vom aktuellen Hype um den Mitstreiter „Squid Game“ – der bekannterweise ein riesiges Echo im Netz ausgelöst hat und gefühlt täglich für Schlagzeilen sorgt. Offenkundig preist der Streaming-Anbieter jedenfalls diese Serie als Alternative an und so muss sie sich auch dem direkten Vergleich zum neuen Kult stellen.

So richtig lassen sich die beiden Formate allerdings nicht vergleichen. „Alice“ bietet schon einen etwas anderen Ansatz und sorgt damit auf seine Weise für Aufmerksamkeit beim potentiellen Betrachter. Hier liegt die Fantasy-Komponente deutlicher im Vordergrund und Vergleiche sind hier eher zum berüchtigten „Battle Royale“ aufstellbar.

Obwohl sich das Format grundsätzlich nicht schlecht anfühlt, wirkt es an vielen Ecken aus bekannten Vertretern – wie eben besagtem „Battle Royale“ – zusammengeklaut und somit nicht immer vollends originell. Die Mischung geht zwar größtenteils auf, dennoch gibt es hin und wieder auch kleinere Längen. Logikprobleme obendrein. Zwischen durchaus furioser Action gab es teils langatmige und nicht immer greifbare Dialoge, die gerne einen Ticken kompakter hätten ausfallen dürfen. Besonders in den letzten drei Folgen zieht sich das Finale ein wenig.

Die deutsche Lokalisation (sowas sollte man immer erwähnen) war gut und gab keinen Grund zur Klage. Man sollte nicht unterschätzen, wie sehr eine Vertonung zum Erfolg einer Produktion beitragen kann – vermutlich hat die breite Masse kein Bock auf das Lesen von Untertiteln. Ich weiß nicht, ob einige Verständnisdiskrepanzen auf die Übersetzung zurückzuführen waren, doch Stimmen und deren Betonung waren jedenfalls mehr als gut gewählt und gaben keinen Grund zur Klage.

Gegen den aktuellen Platzhirsch kommt „Alice in Borderland“ in vielen Punkten, aber vor allem beim Spannungsaufbau nicht heran, doch als würdige Kost zur Überbrückung auf neuen Content ist das Ding mehr als geeignet. Die Japaner erfanden das Rad zwar nicht neu, lieferten aber ein paar echt gut konzipierte Momente mit frischen Darstellern und ebenfalls ansprechender Prämisse. Mir sagt die Handlung aus Korea mehr zu – dennoch gebe ich hier durchaus eine Empfehlung. Erwartet nicht den selben Inhalt, sondern eher mehr Sci-Fi und dann passt das soweit.

7/10

Fotocopyright: Netflix

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