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The Undoing

Inhalt

Auf den ersten Blick sind Grace und Jonathan ein glückliches, wohlhabendes Paar, doch nachdem eine eher locker bekannte Dame tot aufgefunden wird, ändert sich deren Leben schlagartig. Jonathan gerät plötzlich unter Mordverdacht und seine Frau weiß bald nicht mehr, was sie noch glauben soll…

Fazit

Mit gerade einmal 6 Episoden mit jeweils deutlich einer Stunde ist „The Undoing“ eine relativ kompakte – aber keinesfalls langweilige – Angelegenheit, die durchwegs mit Hochspannung und brillanten Darstellern punkten konnte.

Schon nach wenigen Minuten hat mich die hochwertige Inszenierung gnadenlos in den Bann gezogen und dann fiel erst der Fokus auf die erstklassigen Darsteller, die ihr tolles Spiel bis zum bitteren Ende durchziehen konnten. Noch nie habe ich Nicole Kidman oder Hugh Grant besser gesehen und in seinen markanten Auftritten sorgte Urgestein Donald Sutherland für angenehme Gänsehaut. Es hat richtig Spaß gemacht den erfahrenen Akteuren bei ihrem Spiel zuzuschauen und ehrlich gesagt haben sie echte Emotionen beim Betrachter geweckt – was zumindest bei mir – eher selten in dieser Form gelingt.

Die Geschichte ist nicht nur optisch perfekt eingefangen, sondern durchwegs auch sehr wendungsreich und dicht geschrieben. Oftmals kreide ich mangelnde Innovation oder Ideenarmut an, doch hier wurde aus einer simplen Ausgangslage ein extrem spannendes Konstrukt generiert – welches sogar alteingesessene Hasen hin und wieder angenehm überraschen konnte und auf falsche Fährten führte. Man kann sich seinen Theorien und seinen Figuren niemals sicher sein und hadert fast bis zur letzten Minute mit der Auflösung. Dies ist gerade in heutigen Zeiten und einem Überfluss an Filmen und Serien nicht mehr selbstverständlich und spricht für ausgezeichnete Autoren.

Im Internet wurde diese Mini-Serie etwas gehypt und diesmal muss ich gnadenlos einstimmen. „The Undoing“ gehört wirklich zu den besten TV-Ereignissen der letzten Jahre und überzeugt mit raffinierter Handlung, exzellenten Darstellern und anmutiger Inszenierung. Wer auf gute Thriller steht, sollte unbedingt mal einen Blick riskieren und der Suche nach dem wahren Täter eine Chance geben.

9/10

Fotocopyright: HBO/Sky

Nightmares & Dreamscapes: Nach den Geschichten von Stephen King

Inhalt

Die Mini-Serie „Nightmares & Dreamscapes“ behandelt 8 Kurzgeschichten von Horrormeister Stephen King, die fast allesamt mit einem bösen Erwachen enden…

Fazit

Ich mache mir jetzt nicht die Mühe zu jeder einzelnen Episode eine ausführliche Inhaltsangabe zu schreiben und fasse das Gesamtwerk in dieser Kritik mal zusammen.

Erst vor ein paar Tagen habe ich mir noch eine Adaption der Geschichte „Verdammt gute Band haben die hier“ gewünscht und gar nicht bemerkt, dass sie schon etliche Jahre ungesehen in der Sammlung schlummert. Die DVD-Box von „Nightmares & Dreamscapes“ habe ich vor langer Zeit mal in der Videothek erworben – und bis auf die erste Folge nicht weiter geschaut. Nun hatte ich endlich die Muse dazu und bin am Ende etwas geteilter Meinung.

Die Geschichten sind teils recht originell („Battleground“, „Das Ende vom Ende“, „Rock ’n’ Roll wird niemals sterben“), aber teils auch bodenständig und relativ vorhersehbar. Die Qualität schwankt und obwohl es keine echten Ausreißer nach unten gab, gab es auch keine hervorstechenden Highlights.

Da die Serie schon ein paar Tage auf dem Buckel hat, bemerkt man durchwegs den Zahn der Zeit. Alles ist auf TV-Niveau inszeniert und die paar CGI-Effekte heute nicht mehr der Rede wert. Zwar gab es die Beteiligung einiger cooler Gaststars wie William Hurt, Claire Forlani, Tom Berenger oder William H. Macy – die allesamt wohl eher wegen der Thematik an sich, statt des großen Geldes mitgewirkt haben.

Die meisten Handlungsstränge haben mich aufgrund ihrer hier präsentierten Erzählweise sehr an „Outer Limits“ erinnert, obwohl ein Moderator natürlich gefehlt hat. Die in sich abgeschlossenen – und nicht zusammenhängenden – Episoden hatten zumeist ein offenes Ende und klärten den Kern der Sache meistens nicht auf. Dies erwies sich stellenweise als korrekte Entscheidung, manchmal ließ es aber auch fragend zurück. Da ich allerdings einen Teil der Geschichten selbst gelesen habe, kann ich jedoch die korrekte Umsetzung derer in dieser Form bescheinigen.

Ich liebe King und sauge eigentlich alles an seinen Werken auf und hatte trotz kleinerer Unzulänglichkeiten durchaus meinen Spaß mit „“Nightmares & Dreamscapes“. Gute Folgen wogen eher unspektakuläre auf und so war das Gesamtresultat durchaus in Ordnung. Sicherlich bemerkt man das mangelnde Budget an vielen Ecken, doch unterm Strich zählt die Originalität und die war stellenweise außergewöhnlich hoch.

7/10

Fotocopyright: Warner Home Video

Lovecraft Country – Staffel 1

Inhalt

Die 50iger Jahre. Kriegsheimkehrer Atticus Freeman  erhält einen mysteriösen Brief von seinem Vater und will sich auf die Spuren von selbigen machen. Es wurde von einem geheimen Erbe gesprochen – und das lässt auch andere Teile seiner Verwandtschaft nicht kalt. Kurzum unternehmen die Neugierigen einen unvergesslichen Ausflug nach Ardham…

Fazit

Bisher habe ich es immer elegant vermieden, großartige Worte zur Person von H.P. Lovecraft himself zu verlieren – aber hier werden nicht nur Elemente aus seinen Werken, sondern auch eine gewisse Haltung zu seiner Einstellung aufgegriffen.

Lovecraft gilt nicht nur als einer der größten Autoren fantastischer Literatur, sondern auch als schwieriger Mensch und übler Rassist. Viele Menschen boykottieren deshalb mittlerweile seine Werke, aber die Macher dieser Serie fassten den richtigen Ansatz.

So wurden fast alle Rollen mit Farbigen besetzt und das Thema Rassismus ziemlich präsent in den vom Autor gegebenen Rahmen eingeflochten. Das nimmt nicht nur die Angst vor dem umstrittenen Schöpfer, sondern zeigt wie man trotzdem mit seinen positiveren Ergüssen umgehen kann und überhaupt nichts verteufeln muss.

Als Fan der Materie (egal ob Computer-, Brettspiel, Film oder Roman) war ich vom Gedanken der Serienadaption sofort hin und weg. Ich habe der Produktion wirklich entgegengefiebert, doch blieb am Ende ein wenig ernüchtert zurück.

Die ersten 3-4 Episoden des bis dato 10teiligen Auftakts waren recht gut und äußerst vielversprechend, aber dann wurde das Treiben selbst für meine Auffassung viel zu absurd und schwierig nachvollziehbar. Man sprang nicht nur zwischen diversen Schauplätzen und Charakteren hinterher, sondern sprang irgendwann auch ungeniert zwischen diversen Zeiten hin- und her.

Dabei klärte man den Zuschauer wenig auf und verlange das Zusammenbauten der Versatzstücke in Eigenregie – was nicht immer zu hundertprozent gelang und einige Fragen offen ließ. Manche Szenen hat man sogar überhaupt nicht kapiert – und dann auch nicht die Lust zum weiteren sinnieren darüber gehabt.

Sicherlich hat das Geschehen wegen seiner starken politischen Einflüsse und der unentwegten Gesellschaftskritik sowieso eine extra Portion Aufmerksamkeit verdient, doch selbst mit dieser Einstellung fiel das Folgen oftmals schwer. Dazu gesellte sich ein optischer Überreiz, der kaum bei einmaligen Betrachten vollends verarbeitet werden konnte. Die Serie bot extrem starke, aber auch teils äußerst blutige Bilder, die nichts für schwache Nerven sind und so prima zum Setting passten.

Die Darsteller wurden gut ausgewählt und haben ihren Rollen ordentlich Profil. Sie spielten allesamt wirklich hervorragend und haben keinerlei Grund zum Klagen. Die Alltagsprobleme kamen glaubwürdig und schmerzlich nachvollziehbar rüber – der Grusel lag eher in den realistischen Momenten, denn in der Fantasie von Howard Phillips.

Die Idee ist genial, die Umsetzung zumindest technisch und audiovisuell vorzüglich und dennoch hält sich meinen Gesamtbegeisterung etwas in Grenzen. Seine verworrene Inszenierung gab mir immer wieder kleinere Dämpfer und so reicht es nicht für höhere Wertungsregionen. Ich wurde bis zu einem gewissen Grad erstklassig unterhalten, aber dann auch wieder mit verworrenen Strängen genervt. Eine Fortführung wurde ich auf jeden Fall begrüssen und würde dann auf eine übersichtlichere Struktur hoffen.

7/10

Fotocopyright: Sky/HBO

The Mandalorian – Staffel 2

Inhalt

Noch immer sind Mando und das Kind unterwegs und langsam verdichten sich erfolgsversprechende Spuren. Der Kopfgeldjäger ist Jedis auf der Schliche – die, wenn es gut läuft – die wertvolle Fracht übernehmen und korrekt ausbilden…

Fazit

Für viele Enthusiasten galt die erste Staffel der neuen „Mandalorian“-Serie als das Beste, was „Star Wars“ in den letzten Jahren überhaupt passiert ist und da gebe ich ihnen soweit recht. Mit kurzen und knackigen Episoden entstand ein guter Flow und nicht zuletzt wegen „Baby Yoda“ wurde ordentlich Fan-Service betrieben.

Ich persönlich fand den Auftakt sehr ordentlich, aber auch nicht so überragend, wie man es in manchen überschwänglichen Reviews zu lesen vermag. Gut hingegen, dass die nunmehr zweite Staffel die alten Tugenden beibehielt und sich überall auf mindestens dem gleichen – guten – Niveau bewegte und sogar noch etwas mehr für Eingeweihte in der Hinterhand behielt.

Die Grundgeschichte ist simpel und zieht sich erneut wie ein roter Faden durch alle Folgen. Jede Einzelne ist an sich dann schön kompakt und mit wenig Leerlauf bestückt. Alles ging jederzeit prima voran und manchmal hätte man gern noch mehr Zeit mit unseren sympathischen Helden verbracht.

Anspielungen an die Hauptreihe sind ebenso vorhanden, wie diverse Gastauftritte bekannter Gesichter oder Raumschiffe. Dies ist meist extrem gut eingeflochten und vor allem stets feinfühlig ausbalanciert. Man gab den neuen Figuren genügend Raum zur Entfaltung, um dann zur richtigen Zeit wieder mit vertrauten Elementen um die Ecke zu kommen.

Über das Finale wurde viel berichtet und ich werde es natürlich nicht spoilern. Jedoch möchte ich anmerken, dass es bereits vor der Ausstrahlung der ersten Folge schon passende Hinweise im Netz gab und die letzten Minuten exakt so beschrieb, wie sie letztlich auch eingetroffen sind. Als die ominöse Gestalt also zum ersten Mal die Bildfläche betrat, wusste ich sofort das der Leak gestimmt hatte und wer gleich seinen Umhang zur Seite schiebt.

Wer die Marke liebt, bekommt mit „The Mandalorian“ eine wirklich brauchbare Serienauskopplung. Stellenweise erinnert das Geschehen an klassische Westernfilme, aber immerhin kupferte man nicht wieder bei sich selbst ab und gab sich um frische Akzente bemüht. Das war überwiegend sehr kurzweilig und auf jeden Fall sehenswert. Hoffen wir, dass bei all den neu angekündigten Produktionen die Qualität nicht auf der Strecke bleibt und es so anständig weitergeht.

8/10

Fotocopyright: Disney

Barbaren

Inhalt

Als Kind dem Römern als Pfand für den Frieden übergeben und dann beim Feind zum großen Feldherren ausgebildet. Im Jahr 9 nach Christus kehrt Arminius unter Stadthalter Varus nach Germanien zurück und findet noch immer geteilte Stämme wieder. Mit steigender Grausamkeit der Besatzer, gerät er jedoch immer weiter in einen Gewissenskonflikt…

Fazit

Eine Legende besagt, dass einst ein großer deutscher Regisseur einen aufwändigen Film über die Varusschlacht inszenieren wollte und damals nirgendwo Anklang fand. Mit vielerlei Änderung sei dann ein komplett anderer Streifen entstanden. Vielleicht können wir jetzt darüber glücklich sein.

Was uns Netflix aktuell mit „Barbaren“ serviert, ist Unterhaltung auf aller höchstem Niveau und gefühlstechnisch absolut ergreifend. Auch wenn sich nicht alle Details exakt an die Überlieferungen halten, wich man im Großen und Ganzen nicht gravierend davon ab und verwässerte den großartigen Kern keineswegs.

Die Darsteller mögen ausgefallene Kostüme und lustige Frisuren aufweisen, dennoch ist die Ausstattung schon wieder so drüber, dass sie einfach sehenswert gemacht ist und keineswegs an ein Laientheater erinnert (so der Ausdruck eines großen Nachrichtenportals). Die teils äußerst bekannten Gesichtern aus der hiesigen Film- und Fernsehlandschaft machen ihre Sache wirklich gut und schienen Spaß an diesem ausgefallenen Projekt zu haben.

Die sechs Episoden sind jederzeit kurzweilig und spannend gestaltet. Dank netter Cliffhangern wollte man stets wissen, wie es weitergeht und so war das Geschehen innerhalb kürzester Zeit durchgesuchtet. Sicherlich mag es ein klein wenig „Soap-artig“ zugehen, doch der guten Unterhaltung war dies – und die Einführung bisher geschichtlich unbekannter Personen – nur zuträglich.

Streiten mag man sich sicherlich über Dialoge, die im klaren Hochdeutsch daher kamen und Worte beinhalteten, von denen man nicht unbedingt ausgehen kann, dass diese damals schon existent waren. Mir war dies eigentlich recht egal und vielmehr habe ich mich über den deutschen Originalton gefreut, der den Dialogen und der gesamten Atmosphäre zusätzliche Tiefe bescherte. Ein Film im Original hört sich einfach anders an, von den Konversationen, bis zu den vielen Hintergrundgeräuschen. Einfach nicht so steril wie im Studio und viel authentischer.

Technisch ist die Produktion ebenfalls sehr hervorragend gelungen. Man gab sich zunächst recht bescheiden, was Kulissen und CGI betraf, um dann erst in der letzten Episode während der entscheidenden Schlacht das gesamte Budget zu verpulvern. Irgendwie war das Gezeigte dann auch nicht vollends mit Werken aus Hollywood zu vergleichen, da es vergleichsweise unblutig und übersichtlich zur Sache ging. Wie es die Strategie von Arminius erforderte, waren die Kämpfe in kleinere Häppchen unterteilt und erst in den letzten Einstellungen ließ man ein wenig die (Computer-)Mucken spielen, um die verbleidende Größe der Armee aufzuzeigen. Die Bilder sprachen dabei eine ganz eigene Sprache. Kräftige Farben, tolle Kontraste, deftige Filter und viel Dialog aus dem Off kreierten einen ganz eigenen großartigen Charme.

„Barbaren“ mag seine Macken und offensichtliche Mängel haben, doch eine ergreifende Inszenierung mit viel Herz und Gefühl haben mich locker darüber hinweg sehen lassen. Ich war schon immer von der Gesichte rund um die Schlacht im Teutoburger Wald fasziniert und habe endlich eine angemessene, gar überragende Umsetzung dazu erhalten. Von der kernigen Rolle der Tusnelda, bis zum rettenden Regen der Götter wurde alles rund um die Sage integriert und für die Dramatik an den richtigen Stellschrauben justiert. Neben „Dark“ mein absolutes Highlight, was deutsche Serien bei Netflix betrifft – und hoffentlich so mit Erfolg behaftet, dass eine zweite Staffel produziert werden kann. Die Geschichte um den Cherusker ist nämlich noch nicht auserzählt und hält beispielsweise mit dem Konflikt um Germanikus noch ein paar aufregende Kapitel bereit.

10/10

Fotocopyright: Netflix

Veronica Mars – Staffel 4

Inhalt

Mit der Kariere beim FBI hat es nicht so recht geklappt und so fristet Veronica weiterhin Ihr Dasein als Privatdetektivin in Neptune. Die Geschäfte laufen halbwegs, doch die Beziehung mit Logan ist kompliziert. Aufgewirbelt wird die Situation jedoch durch ehemalige Gangster, die es auf Positionen im Stadtrat abgesehen haben und Bomben, die plötzlich an verschiedenen Orten von Neptune explodieren…

Fazit

Lange haben Fans auf neues Material gewartet und endlich wurden die Gebete erhört. Die Serie galt immer als Kritikerliebling, aber nie als Erfolg beim breiten Publikum und so standen die Chancen trotz treuer Fanbase (einschließlich mir) leider nur bedingt gut. Der Kinofilm war zwar ein nettes Gimmick, konnte mich trotz mehrmaliger und stets wohlwollender Sichtung aber nie wirklich überzeugen und keineswegs an die alte Genialität anknüpfen. Jetzt haben wir trotz aller Widrigkeiten ganze 8 neue Episoden bekommen – und ich bin restlos begeistert und mehr als nur positiv überrascht!

Die überschaubare Anzahl an Folgen hat es dermaßen in sich – daraus machen andere Studios mehrere Staffeln bei ihren Serien. Hier wurde wirklich alles reingepackt und dermaßen gelungen optimiert, dass man von Fanservice pur sprechen kann. Neben einer Handvoll neuen Figuren, geben sich hier die alten Veteranen beinahe im Sekundentakt die Klinke in die Hand. Dies wird keineswegs aufgesetzt, denn Jeder besetzt hier einen elementaren Part, der unweigerlich zum Gesamtbild passt.

Apropo Gesamtbild. Die Geschichte mag ihre fragwürdigen Abschnitte beinhalten, dennoch wirkt alles rund zusammengesetzt und jederzeit extrem kurzweilig inszeniert. Hektische und ruhigere Momente wurden perfekt ausbalanciert, gewohnt zynische Sprüche lockern das Geschehen auf. Allein die Dialoge zwischen Veronica und ihrem Vater sind oscarverdächtig und lassen kein Auge trocken. Überhaupt ist es erstaunlich, wie viele Details in diese kleine Anzahl an Episoden hineingequetscht wurden. Alles ergibt hier Sinn, kein Nebenstrang ist unwichtig oder uninteressant. Der Flow ist spitzenmäßig und langweilig wurde es keine Sekunde. Jede neue Figur ist ansprechend gestaltet und die Entwicklung aller bestehenden Charaktere ist so konsequent, wie gelungen. Die Menschen haben sich über die Jahre zur letzten Staffel absolut glaubhaft entwickelt und das Gefühl vom Wiedersehen mit alten Freunden war selten stärker als hier. Zwar hatte der Kinofilm ein ähnliches Flair erzeugt, konnte es durch seine Kompaktheit leider nicht so eindringlich entfalten.

Ich muss sagen, dass Kristen Bell nie hübscher als hier aufgetreten ist. Klar war sie damals schon ein echter Hingucker, aber nun gefällt sie als gestandene Frau umso mehr. Man sieht ihr die Erfahrung an und kauft ihre Handlungsweisen vollkommen ab. Sie ist nicht mehr der strahlende Teenie, sondern geprägt von Tiefschlägen und Enttäuschungen. Auch das ihre Beziehung zu Logan innerlich auf dem Prüftstand steht, kommt stets glaubwürdig und nachvollziehbar rüber. Der Rest ist natürlich ebenso schnell wieder zu erkennen und keiner hat sich großartig verändert. Beachtlich, wie alle wieder an einen Tisch bzw. Serie zu bekommen waren. Immerhin schien das Projekt allen zu gefallen – denn jeder gab sich von der besten Seite und tat seinen Teil zum Gelingen bei.

Wenn ich mir bei eine Serienfortsetzung gewünscht habe, dann von dieser. Zwar liebe ich auch „Buffy“ oder „Nip/Tuck“, aber diese Produktionen waren abgeschlossen und zu Ende bevor sie zu stark ausgelutscht erschienen. Von „Veronica Mars“ habe ich mir jedoch immer mehr gewünscht und möglicherweise hat die lange Pause nicht einmal geschadet. Zwar mussten Fans lange darben, doch die reifere Privatdetektiven war ein Glücksfall, den man anfänglich vielleicht gar nicht so herausragend erwartet hätte. Scheinbar hat der Gedanke einer Fortführung auch anderen Promis gefallen, denn allzu unbekannt waren die meisten der neuen Gesichter in den unzähligen Nebenrollen überhaupt nicht und das gab zusätzlichen Spaß beim Schauen. Nun hoffe ich inständig, dass dem Reboot nun ein gewisser Erfolg zu Teil wird und die Serie in dieser Manier weitergeführt wird – und wir nicht mehr so lange darauf warten müssen. Fazit: Operation gelungen, bitte mehr davon!

9,5/10

Fotocopyright: UPN/CW

Reviews aus dem Archiv:
Staffel 1 (http://archiv.hard-boiled-movies.de/r_veronicamars.php)
Staffel 2 (http://archiv.hard-boiled-movies.de/r_veronicamars2.php)
Staffel 3 (http://archiv.hard-boiled-movies.de/r_veronicamars3.php)
Der Film (http://archiv.hard-boiled-movies.de/r_veronica_mars.php)

Sneakerheads – Staffel 1

Inhalt

Als Devin zufällig auf seinen alten Kumpel Bobby trifft, wird das Leben des biederen Familienvaters so richtig auf den Kopf gestellt. Es entfacht seine alte Leidenschaft für extravagante Sneaker – und schneller als gewollt, wird das Geld für den geplanten Urlaub unters Volk gebracht. Nun muss Devin den Kontostand wieder korrigieren, bevor seine Frau von seinen jüngsten Eskapaden erfährt…

Fazit

Ich hab zwar keinen ausgeprägten Faible für Schuhe, aber als Videospielsammler und leidenschaftlicher Flohmarktgänger kann ich mich gut in die hier dargestellten Figuren hineinversetzen. Da der Handel mit Senkern auch hierzulande zum Volkssport geworden ist, kommt diese Serie von Netflix hier hoffentlich gar nicht mal so verkehrt an.

Die Kürze der Serie (6 Episoden zu je knapp 22 Minuten) ist Fluch und Segen zugleich. Zum einen ist das Ganze extrem schnell vorbei (und locker an einem Nachmittag schaffbar), zum anderen wurde es auch wenigstens nie langweilig. Positiv möchte ich aber vermerken, dass man das Geschehen locker nebenher schauen kann und nicht so aufmerksam wie bei anderen Produktionen am Ball bleiben muss – was zur Abwechslung gar nicht mal so verkehrt war.

Die Darsteller machten ihre Sache allesamt recht gut. Sie passten insbesondere optisch hervorragend in ihre Rollen und schienen Spaß an der Arbeit zu haben. Die Harmonie untereinander hat stets gepasst und die flotten Sprüche kamen sogar ohne größere Schimpfwörter aus – und machen die Produktion zur tauglichen Familienunterhaltung.

Ohne mich tiefergehend mit der Materie oder den eingestreuten Gaststars auszukennen, habe ich mich bei „Sneakerheads“ prima amüsiert. Das hohe Tempo und die lustig-lockere Inszenierung gefielen hervorragend und machen Lust auf Mehr. Wer einfach mal eine seichte Unterhaltung für Zwischendurch sucht und nicht allzu viel Zeit investieren möchte, darf gerne mal reinschauen und herzlich über die liebenswerte Hustler-Truppe schmunzeln.

7,5/10

Fotocopyright: Netflix

Ratched – Staffel 1

Inhalt

Getarnt als mustergültige Krankenschwester gelingt Ratched der Einstieg bei einer renommierten psychiatrischen Klinik. Nicht nur die neue Angestellte, sondern auch der Arbeitgeber sind jedoch voller menschlicher Abgründe…

Fazit

„Ratched“ ist keine weitere Netflix-Serie im klassischen Sinn, sondern vielmehr eine Bühne für die herausragende Leistung von Sarah Paulson und einigen anderen Akteuren. Hat die Dame bereits in etlichen Staffeln von „American Horror Story“ für wohlige Schauer gesorgt, so wächst sie hier absolut über sich hinaus und spielt sich locker in die derzeit oberste Garde von Hollywood.

Die Handlung lässt sich ohne Spoiler schwer umschreiben und versteht sich als lose Vorgeschichte zu „Einer flog über das Kuckucksnest“, welcher seinerzeit mit einem brillanten Nickolson für Aufmerksamkeit sorgte und möglichweise auch auf Missstände in der Gesellschaft hinweisen konnte.

„Ratched“ hält der Gesellschaft heutzutage nicht mehr unbedingt den gleichen Spiegel vor, greift aber geschickt damalige Theorien – und man möge den Ausdruck verzeihen – Foltermethoden auf, die man einst für fortschrittlich und richtig hielt. Das wurde gut in eine weitestgehend spannende Handlung hineinkonstruiert und sorgen für zusätzliche Tiefe.

Besonders die grelle Aufmachung sticht bei dieser Produktion ins Auge. Während die Farben auf dem iPad noch verhalten wirkten, knallt eine quitschbunte Optik auf einem 4K-Schirm mit HDR dem Zuschauer ins Gesicht. Die krassen Aufnahmen ergeben – gepaart mit den schrulligen Figuren und der bisweilen äußerst bizarren Handlung für eine ungewöhnliche und dennoch sehenswerte Mischung.

„Ratched“ lässt sich schwer umschreiben und nur bedingt als Vorläufer eines Klassikers umwerben. Abgesehen von kleineren Längen ist die erste Staffel ansprechend inszeniert und punktet bei audiovisueller Darstellung und einer überragenden Sarah Paulson. Abo-Besitzer sollten mal reinschauen und nach der ersten Episode entscheiden, ob sie dranbleiben wollten. Ich freue mich schon auf die bereits angekündigte Fortsetzung und hoffe, bis dorthin nicht alle Details vergessen zu haben.

7,5/10

Fotocopyright: Netflix

Der junge Wallander – Staffel 1

Inhalt

Kurt Wallander ist frisch gebackener Polizist und am liebsten mit seinem besten Freund und Kollegen Reza unterwegs. Als ein Junge aus seinem Wohnblock ermordet und Reza kurz darauf bei einer Demonstration schwer verletzt wird, sind die schönen Tage rasch vorbei…

Fazit

Ich gebe zu, die ältere Vorlage mehr oder weniger vom Hörensagen zu kennen und nie selbst geschaut zu haben. Der Ansatz mit dem jungen Ermittler hat mir allerdings recht gut gefallen und wenn Netflix mit an Board ist, kann eigentlich wenig schief gehen.

Schon zu Beginn fiel der „europäische Look“ ins Auge, der sich auf angenehme Weise von amerikanischen Produktionen abhebt. Ich kann es nicht so recht beschreiben, aber man erkennt sofort, dass es sich um eine „nordische“ Herkunft handelt und ich mag diesen Effekt einfach sehr.

Die überwiegend (und zumindest für meine Sehgewohnheiten) frischen Darsteller machen ihre Sache allesamt sehr gut und ziehen sofort ins Geschehen. Besonders der junge Wallander gefiel mit überzeugender Mimik und nachvollziehbaren Aktionen. Auch wenn es in der ersten Staffel noch verhältnismäßig gradlinig zugeht, erahnt man doch seine Stärke für tiefergreifende Wendungen – die hoffentlich noch in weiteren Episoden zum Tragen kommen.

Statt einzelner Krimifälle umspannen die ersten 6 Episoden eine durchgehende Handlung und balanciert dabei seine Bestandteile recht gut aus. So gibt es aufregende Momente, dramatische Einlagen und kleinere Liebeseinlagen. Alles hält sich gut die Waage und so ist der Verlauf durchgehend kurzweilig. Manchmal hätte das Treiben mehr „Drive“ verkraften können, doch die aktuelle Präsentation war schon okay.

„Der junge Wallander“ ist durch und durch eine solide Angelegenheit. Ein hervorragender Hauptdarsteller hebt die überdurchschnittliche Geschichte auf ein ordentliches Niveau und empfiehlt sich für eine Weiterführung. Krimifans kommen auf Ihre Kosten und für mal eben Zwischendurch habe ich die Sichtung keineswegs bereut.

7/10

Fotocopyright: Netflix

Biohackers – Staffel 1

Inhalt

Ein junge Dame auf den Spuren ihrer Vergangenheit. Sie schreibt sich an einer Medizin-Universität ein und versucht über eine Professorin mehr über sich und ihr Schicksal zu erfahren…

Fazit

Nach Krachern wie „Dark“ bringt uns Netflix die nächste ambitionierte Serie aus deutschen Landen in die heimischen Wohnzimmer – und erntet meinerseits leider nur verhaltene Begeisterung.

Aufgrund der aktuellen Lage wurde die Produktion ausstrahlungstechnisch nach hinten verschoben und hat sich damit vielleicht höhere Erwartungen als ursprünglich gedacht geweckt. Wirklich skandalträchtig oder zu nah an Realitäten oder Verschwörungstheorien ist hier eigentlich nichts und insgesamt kam man etwas zu zahm daher.

Die Handlung plätschert großenteils vor sich hin und schmeckte stellenweise mehr nach Teenie-Soap, denn nach ernsthaftem Thrill. Es geht mehr oder weniger unterhaltsam voran und der allgemeine Spannungsbogen hängt teilweise arg durch. Interessante Momente werden immer wieder mit kleineren Längen zersetzt und der Erzählfluss kommt oft ins Stocken.

Bei den Darstellern setzte man auf eine gute Mischung aus bekannten und weniger bekannten Gesichtern. Dabei gab man dem Nachwuchs eindeutig den Vorrang und setzte die „Stars“ meistens nur zur Unterstützung ein. Alle machten ihre Sache soweit gut, auch wenn die Glaubwürdigkeit nicht immer vollends gegeben war.

Technisch hochwertig, von den Akteuren solide besetzt und eine im Grunde recht interessante Geschichte konnten nicht vollends überzeugen. Man hat alles irgendwo schon einmal besser und kompakter gesehen. Wirklich neue Ideen waren Mangelware und die Kurzweil hätte höher sein können. „Biohackers“ ist eine überdurchschnittliche Angelegenheit, die man sich Zwischendurch schon zu Gemüte führen kann – echte Anschaupflicht besteht allerdings nicht.

5,5/10

Fotocopyright: Netflix

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