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Schlagwort: Kriegsfilm (Seite 1 von 2)

Aus einem deutschen Leben

Inhalt

Schon als Knabe war Fritz Lang an den Befehlston gewohnt und lernte, Befehle eines Vorgesetzten nie in Frage zu stellen. Nach einem Einsatz im Ersten Weltkrieg und dem Besuch einer Haftanstalt, steigt er schnell bei den Nationalsozialisten auf. Vom Reichsführer höchstpersönlich erhält er dank seines ausgezeichneten Organisationstalents eine perfide Aufgaben die er ebenso wenig hinterfragt wie andere Dinge…

Fazit

„Aus einem deutschen Leben“ ist ein eindrucksvolles Werk deutscher Filmgeschichte. Er markiert nicht nur einen absoluten Glanzauftritt von Götz George, sondern zeigt auf seine nüchterne Weise ein Portrait eines furchteinflößenden Manschens – der hier zudem erschreckend menschlich präsentiert wird.

Die Aufmachung mag aus heutiger Sicht etwas altbacken wirken, verspürt hierdurch aber einen gewissen Charme. Mit Texttafeln, zuweilen schlechten Überblenden, körnigen Aufnahmen und natürlich dem alten 4:3 Standard schaut alles dem Nerv seiner Zeit entsprechend aus und unterstreicht den streckenweise nahezu dokumentarischen Touch.

Der Verlauf ist ruhig, aber fast schon hypnotisch. Die Bilder wirken auf den Betrachter ein und brennen sich dank passender musikalischer Begleitung auch geschickt in das Hirn ein. Man versucht gar nicht erst Effekthascherei zu betreiben, lässt die authentischen Einblicke einfach für sich sprechen und schockiert damit wesentlich nachhaltiger.

Der Film besaß einen ungemütlichen Grundton, den er einfach nicht abschütteln konnte – und glücklicherweise auch nie tat. Dabei kommentierte er gar nicht erst das Treiben seiner Hauptfigur sondern ließ uns eine neutrale Sicht auf die Ereignisse. Es war schon beängstigend, wie normal die menschliche Bestie Fritz Lang hier erschien und wie unbedarft er dramatische Entscheidungen für sich zur nüchternen Abarbeitung zurechtlegen konnte. Er war nicht dumm, aber auch nicht der Schlauste. Er wälzte alle Verantwortung auf die Vorgesetzten ab und schien am Ende wirklich zu glauben, damit schadlos durchzukommen. Seine eigene Auffassung vom Soldatentum hat ihn ins Grübeln gebracht und sein scheinbar schlichtes Gemüt nie größere Gewissenskonflikte bestritten.

Götz George agierte mit Hingabe und sorgte nicht selten für Schauer. Sein Auftritt in diversen Uniformen sorgte für mulmige Gefühle in der Magengegend und seine lauteren Dialoge hinterließen mächtig Eindruck. Spätestens hier waren Wirklichkeit und fiktionale Darstellung kaum mehr zu unterscheiden. Passende Kostüme und verschwenderische Ausstattung erledigten den Rest.

Damals wie heute ist „Aus einem deutschen Leben“ ein mehr als ergreifender Geschichtsunterricht, der trotz Überlänge durchwegs in seinen unschönen Bann zieht. George war Spitzenklasse und das Gesamtresultat mehr als nur ein weiterer Beitrag zum bereits oftmals durchgekauten Thema. Auch wenn das Werk mittlerweile schon über 40 Jahre auf dem Buckel hat, ändert dies nichts an seiner Aussage und sei allen auch nur ansatzweise Interessierten ans Herz gelegt.

8,5/10

Fotocopyright: Alive – Vertrieb und Marketing

Wunschkonzert

Inhalt

Berlin 1936. Bei den olympischen Spielen lernen sich die junge Inge und der Leutnant Herbert kennen und lieben. Leider währt die gemeinsame Zeit nur wenige Tage, denn Herbert muss zu einer geheimen Mission nach Spanien aufbrechen…

Fazit

Es hat mich schon ein wenig gewundert, als dieser Titel plötzlich mit einer FSK18 Freigabe beim Händler im Regal aufgetaucht ist – doch letztlich finde ich gut, dass man sich mittlerweile mit so manch „Vorbehaltsfilm“ arrangieren und offener mit der heiklen Materie umgehen kann. „Wunschkonzert“ mag auf der einen Seite sicherlich ein gelungenes Propagandawerkzeug darstellen, wirkt durch seine – ich möchte sagen naive und selbstverliebte – Machart jedoch absolut entlarvend und durchschaubar.

Die Handlung ist so simpel, wie zu vernachlässigen. In bester Heimatfilm-Manier gibt es eine Geschichte über die große Liebe, die selbst nach Jahren nicht endet und für die leichte Dramatik sogar noch ein strahlenden Nebenbuhler. Dies lädt nicht nur unfreiwillig zu schmunzeln ein, sondern ist Teil des perfiden Gesamtkonzeptes – welches den im Hintergrund tobenden Krieg bewusst etwas schön redet und fast zur aufregenden Nebensache deklariert.

Alle Akteure sind stets perfekt gestylt, jederzeit gut gelaunt und haben fortwährend ein Liedchen auf den Lippen. Der Einsatz an der Front gleicht einem Ausflug ins Abenteuerland, denn mit größeren Blessuren kommt schließlich auch Keiner zurück. Man erfreut sich an Radiosendungen und lockeren Sprüchen, zeigt gar nicht erst die wahre Greul oder die eigentlichen Probleme an der Front. Die Stimmung ist gut und selbst in der Heimat macht sich Niemand größere Sorgen um die Liebsten – schließlich ist die „Nebensache“ ja bald vorbei.

Man spürt, dass „Wunschkonzert“ noch kein „Durchhaltefilm“ wie „Kolberg“ und Konsorten ist. Er ist noch wesentlich früher entstanden und präsentiert statt stumpfer Parolen lieber die „heile Welt“ und ist quasi noch ein Werbe- bzw. Anwerbefilm für die Nationalsozialisten. Er hetzt nicht offen gegen bestimmte Bevölkerungsgruppen oder animiert zu Gewalttaten, hebt vielmehr das auffällig „arische Weltbild“ hervor – auch ohne direkt mit dem Finger darauf zu zeigen bzw. bestimmte Aussagen immer wieder repetitiv wiederholen zu müssen. Das Geschehen wirkt gesitteter und weitaus neutraler, als manch seiner Kollegen aus der damaligen Epoche.

Die Inszenierung war hochwertig und zog alle Register des Möglichen. Sicherlich erleben wir kein großes Effektgewitter und bestenfalls bodenständig gebastelte Kampfszenen, doch meine Beachtung erhalten schöne Schnitte, interessante Perspektiven und sein ordentliches Pacing. Obwohl die Darsteller mit ihrer Ausdrucksweise teilweise stark an das Theater erinnern, so macht der Streifen an sich mit schicken Überblenden, grandiosen Bildern und toller Ausleuchtung einen perfekten Kinoeindruck, der bei Veröffentlichung auf der großen Leinwand garantiert mächtig beeindrucken – und seine Wirkung nicht verfehlen – konnte.

Ich kannte den Film bereits von VHS-Zeiten, weshalb mich die aktuelle Blu-Ray schon ziemlich begeistert. Sicherlich flackert das Bild hin und wieder ein bißchen und auch beim Ton gibt es kleinere Störungen – aber für eine Produktion von 1940 möchte ich wirklich nicht meckern. Das Ding ist wunderbar anschaubar und kleinere Streifen oder Lautstärkenschwankungen sorgen umso mehr für Atmosphäre und verleihen dem Werk eine Seele. Das Bildformat ist klassisch 4:3.

Die Einen werden „Wunschkonzert“ als seichten und unbedeutenden Liebesfilm abtun, die Anderen immerhin einen interessanten Einblick über das damalige Weltbild erhalten. Man sollte sich natürlich ein wenig für die Thematik interessieren und ein solches Werk dann auch als Zeitdokument verstehen können, um etwas kritischer ans Werk gehen zu können.

Trotz seiner klischeehaften und trotz seiner „gefährlichen“ Passagen ist dieser Titel jedoch einer der besseren seiner Art und unterhielt erstaunlich gut. Handwerklich gab es nichts zu beanstanden und auch die Darsteller haben ihre Sache – wie es seinerzeit schließlich gewünscht war – hervorragend gemacht. Die eingestreuten Liedchen waren vergleichsweise harmlos und passten zur vermeintlich leichtgängigen Romanze. Für den geeigneten Filmfreund also durchaus ein interessanter Titel – der natürlich ein Kind seiner Zeit ist und mit einem Funken an Verstand gesichtet werden sollte.

8/10

Fotocopyright: WVG Medien GmbH

Corellis Mandoline

Inhalt

Eine kleine griechische Insel im Zweiten Weltkrieg. Italienische Besatzer machen sich in der Hauptstadt breit und versuchen sich so gut wie möglich mit der Bevölkerung zu arrangieren. Der charismatische General Corelli freundet sich dabei recht schnell mit der Tochter des einheimischen Arztes an…

Fazit

Besonders an seinen Hauptfiguren ist ersichtlich, dass der Titel nunmehr 20 Jahre auf dem Buckel hat und die Zeit nicht spurlos an den Stars vorbeigegangen ist. Wo ein Cage mittlerweile für meist nicht mehr ganz so hochwertige Produktionen steht, konnte man hier seinerzeit noch von einem waschechten Blockbuster ausgehen – und stand am Ende trotzdem mit gemischten Gefühlen da.

„Corellis Mandoline“ ist an für sich ein recht launiger Film. Die malerische Kulisse und die zarte Romanze lassen die dramatischen Hintergründe eine Zeitlang vergessen und der Unterhaltungswert ist gegeben. Leider macht der Titel schauspielerisch unverhofft wenig her und die Bemühungen von Cruz und Cage luden sogar hin und wieder zum Fremdschämen ein.

Obwohl das Werk auf einem Bestseller-Roman basiert, wirkt die Liebelei nicht glaubhaft konstruiert. Vielleicht lag es aber auch an den Darstellern, die es von ihrer Gestik stets ein wenig übertrieben und die Chemie irgendwie so gar nicht gepasst hat. Selbst ein Christian Bale blieb hier weit hinter seinen gewohnten Leistungen zurück, verkörperte eine fast schon peinliche Nebenfigur.

Alles wirkt bei genauerem Hinschauen unausgegoren, bemüht und nicht richtig rund. Die reale Greul kam nie so recht an den Mann und besonders das Finale wirkte in diesem Kontext sowieso viel zu weich gespült. Sicherlich sollten die positiven Gefühle im Vordergrund stehen, doch im Anbetracht der hier verübten Verbrechen war die Prämisse sowieso nur bedingt geschickt gewählt.

Immerhin optisch hatte der Streifen Einiges auf dem Kasten, gefiel mit hübschen Landschaftsaufnahmen, warmen Farben und verbreitete leichtes Urlaubsfeeling. Der Soundtrack war zuweilen sicherlich Geschmackssache, wurde aber gut zum Setting gewählt und gab keinen Grund zur Klage.

Streng gesagt ist „Corellis Mandoline“ leider kein guter Film und seine Darsteller wurden zurecht mit goldenen Himbeeren nominiert. Erstaunlicherweise fühlte ich mich über seine knappen zwei Stunden dennoch passabel unterhalten und hielt die investierte Zeit nicht für vollkommen verschwendet. Man konnte sich trotz aller Macken zurücklehnen und inmitten allen Kopfschüttelns das Gebotene irgendwo halbwegs genießen.

6/10

Fotocopyright: Pandastorm Pictures GmbH

Rules – Sekunden der Entscheidung

Inhalt

Wegen eines fragwürdigen Befehls steht Colonel Childers vor Gericht. Um die amerikanische Botschaft in Jemen evakuieren zu können, soll es einen Schießbefehl auf einen Menschen Mob gegeben haben, der letztlich viele zivile Opfer abverlangte…

Fazit

Mit Spielfilmen versuchen Amerikaner gerne unliebsame Themen aufzubereiten und einem breiteren Publikum zu präsentieren. Nach kurzen Recherchieren beruht „Rules“ zwar nicht exakt auf wahren Begebenheiten, doch das Ganze könnte sich so durchaus abgespielt haben.

Zunächst möchte ich das tolle Spiel von Samuel L. Jackson und Tommy Lee Jones loben. Die hier noch etwas jüngeren Urgesteine machten ihre Sache hervorragend, glaubwürdig und vor allem verleihen sie ihren Figuren ordentlich Kontur. Man nimmt Jackson die Rolle des Angeklagten absolut ab und bekommt bei seinen Ausbrüchen auch mal kleinere Schauer über den Rücken.

Die recht geschickt konstruierte Geschichte steht dem tollen Spiel seiner Stars eigentlich nicht nach, doch manchmal hätte die Inszenierung einen Ticken flotter daherkommen können. So braucht das Geschehen ein paar Minuten, um richtig in die Gänge zu kommen und das Treiben vor Gericht hat mancher Konkurrent deutlich mitreißender hinbekommen. Immerhin blieb man durch seine spannende Prämisse trotzdem am Ball und wollte wissen, welche Lösung letztendlich gefunden wird.

Technisch gab sich der Film äußert solide und vor allem bei den Gefechtsszenen wurde das vergleichsweise hohe Budget (abseits der vielen bekannten und sicherlich nicht günstigen Darstellern) sichtbar. Sie wurden audiovisuell eindrucksvoll in Szene gesetzt und verdeutlichen in ihrer Hektik das sekundenschnelle und womöglich auch fragwürdige Handeln der Vorgesetzten.

„Rules“ mag ein fiktives Gedankenspiel sein, bringt aber auf geschickte Art kritische Dinge zur Diskussion. Durch seine Handlung und seiner famosen Akteure blieb man dann trotz kleinerer Längen auch am Ball und wurde insgesamt ziemlich gut bei Laune gehalten. Es gibt wesentlich kurzweiligere Genrevertreter – doch wer an der Thematik grundsätzlich Interesse zeigt, bekommt einen sehr soliden Beitrag serviert.

7/10

Fotocopyright: EuroVideo Medien GmbH

Hamburger Hill

Inhalt

Der Vietnamkrieg tobt in vollen Zügen und die junge Einheit von Sergeant Frantz befindet sich mitten darin. Neben den Greultaten an der Front kämpft jeder mit seinen Erinnerungen an die Heimat und der Befehl zur Erstürmung eines wichtigen Hügels macht die Sache nicht leichter…

Fazit

Schon immer haben die Amerikaner ihre traumatischen Erlebnisse in bewegten Bildern verarbeitet und bei „Hamburger Hill“ dreht sich mal wieder ausnahmslos alles um das Thema Vietnam – was in Anbetracht dutzender Konkurrenten auch filmisch ein breit umkämpfter Schauplatz darstellt.

Obwohl dieser Titel eigentlich nicht anders als viele seiner besagten Mitstreiter macht, gehört er für mich zu den Besseren seiner Art. Hier stimmt im Großen und Ganzen das Gesamtpaket, dass nicht nur aus hervorragenden Darstellern und einem ausgewogenem Flow, sondern auch nicht allzu übertriebenem Pathos besteht. Man versucht einigermaßen realistisch und dennoch unterhaltsam an die Sache heran zu gehen und nicht zu sehr die coolen Helden raushängen zu lassen – was im Anbetracht der dramatischen Hügel-Erkämpfung durchaus absehbar gewesen wäre.

Man beschränkt sich nicht allein auf schockierende Kriegsszenen (von denen gibt es sogar relativ wenig), sondern fokussiert eher seine Charaktere und deren Motivationen und Gedanken an die Heimat. Man kann sich gut in die jungen Männer hineindenken und ihre berechtigten Gedankengänge verstehen. Bei Vorlesen ihrer Briefe überkommt selbst dem Betrachter einen leichten Schauer und man kann sich einigermaßen gut ein Bild von der Lage im weit entfernten Amerika machen.

Die jungen und teils sogar bekannten Gesichter haben ihre Arbeit einwandfrei gemacht. Ihre unbedarfte und zuweilen sehr lockere Art hat gut zum Szenario gepasst und machte nur deutlicher, wie naiv die Soldaten in den Krieg geschickt wurden. Anfangs träumten noch alle von Frauen und Autos, später wollten allesamt einfach nur weg von diesem grausamen Ort.

Während andere mit viel Action, derben Sprüchen oder gar psychodelischen Inszenierung daher kommen, bleibt „Hamburger Hill“ angenehm nüchtern, nachvollziehbar und verfehlt seine Wirkung trotzdem nicht. Neben Schwergewichten wie „Apocalypse Now“ oder „Platoon“ geht dieser Titel von der Wahrnehmung vielleicht etwas unter, Genrefans sollten ihn trotzdem auf dem Radar behalten. Hier wurde alles richtig gemacht, Aussage und Unterhaltungsfaktor stimmen exakt.

8/10

Fotocopyright: NSM Records

Hacksaw Ridge

Inhalt

Desmond Doss kommt aus einer gläubigen Familie mit strengem Oberhaupt. Seitdem sein Vater als Veteran aus dem Ersten Weltkrieg nach Hause gekommen ist, leiden alle Mitglieder unter seinen Launen. Nachdem sich zuerst sein großer Bruder gemeldet hat, schrieb sich nun auch Desmond in der Army ein. Seine Verweigerung zum Dienst an der Waffe sollte jedoch ein großes Problem darstellen…

Fazit

Die Geschichte ist fast so unglaublich, dass sie wirklich nur auf Tatsachen beruhen kann. „Hacksaw Ridge“ lebt von einer Prämisse, die sich im ersten Moment äußert seltsam anhört und dann letztlich doch eine Grundlage für ein überraschend spannendes Kriegsepos liefert.

Zum einem großen Teil besteht der Film aus einer ausführlich erzählten Vorgeschichte und das eigentliche Kriegsgeschehen findet erst im letzten Part statt. Man nimmt sich die Zeit seine ungewöhnliche Ausgangslage zu begründen und Verständnis für die Figuren aufzubauen. Sicherlich mögen manche Beziehungen (insbesondere die anfängliche Hassbeziehung zu seinen Kameraden) etwas konstruiert wirken, doch dramaturgisch passt das soweit schon.

Obwohl zunächst actiontechnisch nicht allzu viel geschieht, fesselt das Treiben an den Schirm. Man verspürt endlich wieder ein bisschen Innovation im ausgelauchten Genre und erblickt endlich mal wieder ein paar neue Aspekte. Der Part vor Gericht war dabei ebenso unterhaltsam wie die gezeigte Grundausbildung und spätestens mit den ersten Schusswechseln in der Schlacht holt man alles in Sachen Tempo und Gänsehaut wieder auf.

Das Schlachtengemälde ist so blutig, wie rasant und schonungslos in der Darstellung. Wer den Auftakt von „Soldat James Ryan“ kennt, wird sich sofort heimisch fühlen und verstehen, dass damit gemeint ist. Es geht heftig, aber nicht unbedingt unrealistisch zur Sache und der Kontrast zum vorherigen Filmverlauf ist gigantisch. Alles ist dabei optisch ganz hervorragend inszeniert und der Pulsschlag plötzlich auf Anschlag.

Andrew Garfield konnte als naiver Soldat und späterer Held uneingeschränkt überzeugen. Die Rolle stand dem relativ jung wirkenden Akteur recht gut und er erledigte seine Aufgabe soweit glaubwürdig. In Nebenrollen glänzten Sam Worthington und Vince Vaughn, die ebenfalls wieder hervorragend gefielen und mit markigen Sprüchen für kleine Aufheller sorgten.

Mit „Hacksaw Ridge“ liefert Mel Gibson erneut einen eindrucksvollen, zuweilen brutalen und doch sehr interessanten Kriegsfilm ab, der mit seiner Grundidee zusätzlich punkten konnte. Jedem Genrefan sei dieses Werk ans Herz gelegt – auch wenn es eher beschaulich startet, ist keine Langweile geboten. Der Film ist ein Erlebnis und definitiv einer der besseren Vertreter seiner Zunft.

8,5/10

Fotocopyright: LEONINE

Cherry – Das Ende der Unschuld

Inhalt

Als Cherry auf einer Party die bezaubernde Emily kennenlernt, ist es sofort um ihn geschehen und seine entfernt lebende Freundin rasch vergessen. In der neuen Beziehung blüht er förmlich auf und es könnte eigentlich nicht besser laufen. Als Emily ihm dann eines Tages gesteht, dass sie in Kanada studieren möchte, bricht die heile Welt zusammen. Aus Trotz meldet sich Cherry freiwillig bei der Army…

Fazit

Ich liebe es, wenn mich ein Film so richtig kalt erwischt – und das war bei „Cherry“ absolut der Fall. Am Anfang hatte ich aufgrund der überlangen Laufzeit (knapp 2,5 Stunden) zum Schauen leichte Motivationsprobleme, doch nach wenigen Minuten waren diese Sorgen vollkommen vergessen. Das Werk teilt sich selbst in übersichtliche Kapitel ein und entwickelt einen unglaublichen Sog mit Höhen und Tiefen – was ich in diesem Fall allerdings als extrem positiv empfand und nicht als negative Kritik verstanden haben möchte.

Der Titel weißt ganz klar autobiografische Züge auf. So krass einige Abschnitte für sich erscheinen, so konsequent und glaubhaft fügen sie sich letztlich doch in das Gesamtbild ein. Was wie eine harmlose, unschuldige Teenie-Romanze begann, entwickelt sich zum waschechten Kriegsfilm und letztlich zu einem Drama mit jederzeit verständlich konstruierten Hintergründen.

Eine Zeitlang hat mich das Präsentierte ein wenig an den Klassiker „Dead Presidents“ erinnert, doch ab einem gewissen Punkt schlug man eine andere und wesentlich glaubwürdigere Gangart ein. Man ging mit vielen Themen wesentlich kritischer als bei manchen Konkurrenten um und bot uns Figuren, mit denen man sich perfekt identifizieren konnte. Natürlich wirkten die Darsteller zuweilen etwas arg jung, aber irgendwie übt gerade die unschuldige Ausstrahlung einen zusätzlichen Reiz aus. Man nimmt das Geschehen durchaus anders wahr, als wären hier harte Kerle am Start. Besonders die Zeit in der Army wirkte da viel hoffnungsloser und schwieriger.

Durch seine tolle Erzählweise wurden die einzelnen Abschnitten klar getrennt und gleichzeitig elegant ineinander übergeleitet. Es gab Einblendungen über den jeweiligen Akt und eine passende Bezeichnung hierzu. Dazu gesellte sich die Stimme des Hauptakteures als Sprecher aus dem Off, der nicht selten mit vortrefflichen Bezeichnungen aufwarten konnte. Er behielt stets seine jugendhafte Weise bei und drückte die jeweilige Situation mit seiner zuweilen eher rohen Sprechweise aus, was nicht nur dem allgemeinen Charme, sondern eben bereits gelobter Authentizität nur zu Gute kam.

Es gab Momente, wo die Akteure aus unterschiedlichen Blickwinkeln (z.B. aus dem Spiegel) auf sich hinab blickten oder Szenen, die in einem kleinen Bildformat abliefen. Dies unterstreicht die Gefühlslage auf ganz eigene und ziemlich gelungene Weise, was in meinen Augen von echtem Kunsthandwerk spricht. Man hat sich bei der gesamten Konzeptionierung sichtlich Mühe gegeben und mit vergleichsweise einfachen Mitteln einen einmaligen Look abgeliefert.

Tom Holland drängt sich immer mehr in die Riege der großen Darsteller. Er legt hier eine Performance an den Tag, die man ihm selbst nach seinen stabilen Auftritten in „Spider-Man“ bzw. „Avengers“ kaum zugetraut hätte. Ja, er wirkt unglaublich jung, doch nach kurzer Eingewöhnung passt das schon recht gut. Gleiches kann man von Filmpartnerin Ciara Bravo ebenfalls behaupten – die Wandlung vom schüchternen Mädchen zum Junkie wurde überragend gespielt.

In diesem noch recht jungen Jahr ist „Cherry“ einer meiner ersten Geheimtipps geworden. Mich hat das Gezeigte dermaßen gepackt, fasziniert und unterhalten, dass ich ihn gerne in bleibender Erinnerung behalten und wärmstens weiterempfehlen werde. Sicherlich wurden nicht alle Aspekte von Grund auf neu erfunden, doch die fantastische Kombination miteinander sorgte für echte Begeisterung und einer Frische, die ich bei vielen anderen Werken in letzter Zeit sehr vermisst habe.

9/10

Fotocopyright: Apple

Stalingrad – Bis zum letzten Mann

Inhalt

Lange hat der Fronturlaub am Strand nicht gedauert, als die 6. Armee unter neuer Führung in den Kessel von Stalingrad abkommandiert wird. Anfänglich ist der Trupp noch recht zuversichtlich und glaubt an einen baldigen Sieg, doch schon bald holt sie die traurige Realität in der Schlacht an der Wolga ein…

Fazit

Aufgrund von Erfahrungen im Bekanntenkreis habe ich schon oft erwähnt, dass deutsche Filme immer eine Sache für sich sind und nicht unbedingt den besten Ruf bzw. den größten Fankreis haben. Meist bin ich bei hiesigen Werken auch etwas skeptisch, doch im historischen Bereich eigentlich immer sehr zufrieden gewesen – was seit meinen jüngeren Jahren insbesondere auch bei „Stalingrad“ zutraf.

Joseph Vilsmaier schuf hier ein Meisterwerk, welches sich insbesondere von seiner Erzählsicht deutlich von Konkurrenten aus beispielsweise der Traumfabrik von Hollywood unterscheidet. Hier erleben hier keine strahlenden Helden, sondern normale Familienväter, Brüder, einfache Bürger von Nebenan. Fast Niemand handelt hier aus vollster Überzeugung, sondern schlichtweg weil es Pflicht ist und die Hoffnung auf das Ende der Strapazen stets in Aussicht steht.

Unterstrichen wird die starke Betonung auf die menschliche Seiten der Soldaten durch Dialoge, die es wahrlich in sich haben und zum Teil an Sarkasmus und Weisheit nicht zu überbieten sind. Viele Charaktere zeigen unter Stress ihr wahres Gesicht und selbst die härtesten Typen offerieren eine zerbrechliche Seite. Man beobachtet den stetigen Zerfall eines optimistischen Lebens und gerät an vielen Stellen arg über alle Vorkommnisse und Entwicklungen ins Grübeln.

Das starke Konzept funktioniert natürlich nur, weil die grandiosen Darsteller auf ganzer Linie überzeugten und nicht selten rein durch Blicke und Gestiken für Gänsehaut sorgen. Im Grunde sollte man jeden einzelnen Akteur aufs Höchste loben, doch ein überragender Thomas Kretschmann wuchs hier über sich hinaus und konnte bis dato nie mehr so glänzen, wie es hier der Fall war. Noch heute bekannte Gesichter aus der TV-Landschaft lieferten hier beeindruckende Auftritte ab, die man so nie von ihnen erwartet hätte. Jede kleinste Rolle wurde sorgfältig besetzt und ebenso überwältigend gespielt.

Die Effekte waren beachtlich und machen auch heute noch eine hervorragende Figur. Die Schauplätze wirken weitläufig, kalt und trostlos. Mit relativ einfachen Mitteln wurde eine tolle Atmosphäre geschaffen, die noch immer sehen lassen kann und noch nicht durch schwache Computereffekte aus der Entstehungszeit durchsetzt wurden. Alles schmeckt nach guter Handarbeit, selbst errichteten Kulissen und tollen Maskenbildnern. Dazu gesellt sich das geschickte Einbinden historischer Reden und einem epischen Soundtrack, der brenzlige Situationen gekonnt mit Gänsehautstimmung unterstreicht.

Mit knapp über zwei Stunden ist die Laufzeit nicht von Pappe, aber durch ihre dichte Erzählweise und den interessanten Figuren nie langweilig. Es gab sogar vergleichsweise wenig Action, dafür extrem wuchtige Konversationen und nicht minder unterhaltsame Einblicke in das Wesen der Charaktere. Diese Tiefe macht sogar vor dem Finale kein Halt und zerstört seinen nachdenklichen Touch nicht mit aufgesetztem Krawall oder überzogenem Pathos. Man verabschiedet sich eher still vom Zuschauer und fuhr damit genau richtig. Auch eingeblendete Texttafeln waren sehr kompakt und beschäftigten nicht mit ellenlangem Lesen.

Ich kann verstehen, wenn man von deutschen Filmen – insbesondere wenn es zum das Thema Zweiter Weltkrieg geht – die Nase voll haben kann, doch dieses Genre ist einfach unsere große Stärke. Neben „Das Boot“ oder „Der Untergang“ zählt „Stalingrad“ zu den absoluten Pflichttiteln und sollte eigentlich von Jedermann zumindest einmal gesehen werden. Selten wurde das echte Soldatenleben so präzise und unheroisch portraitiert und selten konnte man sich so intensiv in dramatische Schicksale hineinversetzten. Wie kaum ein anderes Werk, schildert „Stalingrad“ eine Sinnlosigkeit, ein verbissenes Festhalten und eine Verblendung – die auch inszenierungstechnisch noch immer unter die Haut geht und den Kopf noch weit nach seiner Sichtung auf Trapp hält. Ein grandioses Kinoerlebnis und definitiv eine der Referenzen beim deutschen und beim internationalen (Anti-)Kriegsfilm überhaupt.

9/10

Fotocopyright: EuroVideo Medien GmbH

Greyhound – Schlacht im Atlantik

Inhalt

Mitten im Zweiten Weltkrieg wird Commander Ernest Krause sein erstes Kommando über ein hochmodernes Kriegsschiff übertragen. Seine Nervosität ist bei der Mannschaft zu spüren und so stehen sie ihrem Auftrag skeptisch gegenüber…

Fazit

Um es bereits zu Beginn ganz ehrlich auszudrücken, war „Greyhound“ so etwas wie „Viel Lärm um Nichts“ für mich. Im Vorfeld gab es Diskussionen wie eine Kinoveröffentlichung in diesen Tagen realisiert werden kann und wie kostspielig dann der Erwerb seitens Apple an war – und am Ende hat sich die Aufregung gar nicht recht gelohnt. Mit einer soliden Grundgeschichte und vorn allem wegen Tom Hanks hätte das Ding eigentlich enorm Potential gehabt, doch noch während der Sichtung machte sich schnell die Ernüchterung breit.

Man muss schon ein Faible für Kriegsfilme und Schiffs- bzw. U-Boat-Schlachten an sich haben, um die volle Brandbreite des Titels auszuschöpfen. Sicherlich stand der unerfahrene Commander (durch Tom Hanks verkörpert) im Vordergrund, doch kompakte Laufzeit und reichlich drumherum nahmen dem Schauspiel-Veteranen ein wenig die Bühne und seine Figur wurde gefühlsmäßig nicht voll ausgebaut. Seine Einführung (zusammen mit der bezaubernden Elisabeth Shue) verlief recht sehenswert und emotional, im weiteren Geschehen war davon immer weniger zu erblicken.

Besonders holprig empfand ich das gesamte Storytelling. Ich bin trotz aufmerksamer Betrachtung kaum in die Handlung hinein gekommen und konnte mich einfach nicht „fallen lassen“. Alles wirkte hektisch, nicht immer direkt nachvollziehbar und irgendwie immer wie für beinharte Historienfilm-Fans – die hier sicherlich besser folgen konnten und zumindest ansatzweise die aktuellen Szenarien erkennen konnten. Als logische Konsequenz tat sich dann auch die ein oder andere Länge auf und der Verlauf war trotz vergleichsweise geringer Laufzeit (knapp 90 Minuten – inklusive längerem Abspann) recht zäh.

Schön anzusehen immerhin die reichlich vorhandenen Schlachten, die durch ihre kühle Inszenierung und teils arg blassen Figuren schon wieder kühl und fast leblos wirkten. Man sah das Budget immer mal wieder durchblitzen, aber rein mit Gefechten auf hoher See (ohne jegliche Abwechslung) konnte ich zumindest eher wenig anfangen.

An der Geschichte vermag ich aufgrund der realen Gegebenheiten nicht mäkeln. Hanks war ebenfalls gut, nur gefühlt weniger präsent als in seinen anderen Hauptrollen. Größte Kritik die schleppende Struktur, die selbst ein zeitlich überschaubares Werk unerwartet lang erschienen ließ und nicht immer genügend Tiefe bot. Bis auf Hanks gab es kaum Charakterzeichnung – und von ihm noch viel zu wenig. Genrefans haben bestimmt ihren Spaß an „Greyhound“ – für mich, der eher andere Filmrichtungen bevorzugt – war es dann eher etwas schwach und zu unrund. Entweder geschmeidige Ausarbeitung von Figuren und Gefühlen – oder stilvolle Action ohne Ende – „Greyhound“ bot mir von Allem zu wenig.

6/10

Fotocopyright: Apple

Der Untergang

Inhalt

Berlin steht unter Beschuss und der Führer versammelt seine engsten Getreuen in einem Bunker. Nachdem er seine fiktiven Truppen noch einmal auf der Landkarte umher schiebt, diktiert er seiner Sekretärin sein Testament und alle wissen, dass sie bald dem Untergang geweiht sind…

Fazit

„Der Untergang“ ist eigentlich kein Film, sondern eine knallharte Charakterstudie, die bis zum unausweichlichen Ende an den Schirm fesselt und selbst bei wiederholter Sichtung ständig für Gänsehaut sorgt.

Was Bruno Ganz hier abliefert ist einfach sensationell und gehört zu dem besten, was ich jemals im Bereich Schauspiel gesehen habe. Er geht in seiner Rolle auf und verkörpert seine Figur mit einer schauerlichen Hingabe. Seine Reden, seine Mimik – alles bis in kleinste Detail beängstigend nah am Original und niemals zuvor besser dargestellt.

Neben Ganz kann man eigentlich nur verlieren, doch erstaunlicherweise zeigt sich der restliche Cast ebenfalls von seiner besten Seite und leistet sich keine Patzer. Was unsere Stars hier abliefern ist großes Kino und – von dem was ich bisher von ihnen gesehen habe – die grandioseste Leistung ihres Schaffens. Auch hier stimmen Optik und vor allem die Art, wie Dialoge gesprochen bzw. ausgeschrien werden. Überragend!

Dank seiner tollen Figuren und der spannenden Atmosphäre ist die beschränkte Auswahl der Schauplätze schnell vergessen. Der Streifen spielt überwiegend im dunkeln Bunker und genau zur richtigen Zeit erleben wir immer mal wieder die zerbombte Welt außerhalb. Hirschbiegel erschafft auch hier eine glaubwürdige Kulisse, die sich nicht hinter Werken aus Hollywood verstecken muss und absolut keinen Grund zur Beanstandung gibt.

Die Inszenierung gibt sich fachlich, fast schon dokumentarisch. Hier gibt es keinen übertriebenen Heldenmut und keinen „Hura-Patriotismus“ wie in den meisten Produktionen aus Amerika üblich. Man bleibt jederzeit sachlich und zeichnet seine Charaktere mit unvergleichlicher Tiefe. Man merkt, dass echte Personen als Grundlage dienten und sich die Macher ausführlich mit ihren Eigenheiten und Ausdrucksweisen beschäftigt haben. Auch blieb die moralische Keule fern, so dass sich jeder Zuschauer selbst ein Bild von den gezeigten Eindrücken machen kann und nicht durch Meinungen Anderer vorprogrammiert wird. Nicht alles wird verteufelt und manch Verhaltensweise etwas verständlicher. Genau der richtige Weg zur professionellen Aufbereitung unserer Vergangenheit.

Immer wieder wird man nach guten deutschen Filmen gefragt und immer wieder liste ich bei der Aufzählung „Der Untergang“ mit auf. Egal ob im Kinocut oder als Langfassung – das Werk erschüttert und überzeugt auf ganzer Linie. Die bekannten Akteure wachsen über sich hinaus glänzten wie noch nie. Die Luft ist zum Greifen dicht und der Spannungsbogen trotz bekanntem Ausgang überraschend hoch. Besonders lobe ich die neutrale Betrachtungsweise auf Figuren und Ereignisse – was letztlich den ausschlaggebenden Punkt für meine persönliche Höchstwertung beisteuert. Der Film gehört in jede gut sortierte Sammlung und zeigt eindrucksvoll, wie eine krasse Ideologie mit wenigen Momentaufnahmen entlarvt werden kann. Meisterwerk! Die Langfassung gibt weitaus mehr Tiefe – die Kinofassung ist allerdings schon sehr rund und für die meisten Betrachter absolut ausreichend.

10/10

Fotocopyright: Constantin Film (Universal Pictures)

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