Filme, Serien, Videospiele, Fotografie und Lifestyle

Schlagwort: Drama (Seite 1 von 26)

Und Morgen die ganze Welt

Inhalt

Studentin Luisa möchte politisch aktiver werden. Zwar beteiligt sie sich an Tortenwurfaktionen ihrer Mitstreiter, doch schon bald ist dies nicht mehr genug. Durch den charismatischen Alfa findet sie Spaß an der Gewalt für die scheinbar gute Sache und damit endlich ein passendes Ventil, um aus dem spießigen Bürgertum zu entkommen…

Fazit

„Und Morgen die ganze Welt“ (eine Anspielung auf ein bekanntes Lied aus vergangenen Tagen) behandelt ein schwieriges und wahrscheinlich auch nicht für Jedermann greifbares Thema. Grundsätzlich konnte ich mich schon ein stückweit ins Szenario hineindenken, doch einige „Designentscheidungen“ verhagelten immer mal wieder die zuweilen richtig guten Ansätze.

Mag sein, dass der Titel zumindest streckenweise auf wahren Begebenheiten beruht, doch manchmal fiel das Folgen der Aktionen unserer Figuren ziemlich schwer. Vor allem Luisa nahm man nicht alles ab. Sie wirkt auf der einen Seite recht schlau und gebildet, lässt sich dann aber ziemlich schnell auf Gewaltexzesse und blinde Zerstörung ein. Mag auch sein, dass man gerade diesen Kontrast deutlich hervorheben wollte, aber zumindest vom Schauspiel her ist diese Wandlung nicht immer geschickt an den Mann gebracht worden.

Mala Emde wirkt selbst in heiteren Momenten immer so, als würde sie gleich anfangen zu weinen – und fand ich in Kombination mit Ihrer Rolle nicht immer einfach einzuordnen oder gar leicht irritierend. Ihr starker Ausdruck sprach Bände, aber manchmal wollte er einfach nicht zu den grundsätzlich sehr elegant gefilmten Bildern passen und den Betrachter mitunter leicht verunsichern. Ihre Mitstreiter hingegen waren frisch, motiviert und wesentlich leichter einzuschätzen.

So brisant der Inhalt, so kurzweilig und spannend der Verlauf. Es geht stets ordentlich voran und Längen waren kaum zu verzeichnen. Alles wirkte schön kompakt, hatte einen guten Auftakt, einen temporeichen Mittelteil, aber leider nur ein teilweise befriedigendes Finale. Man schien auf einen anderen Ausgang abzuzielen, um dann doch wieder ein Schwenk zu machen und den eingeschlagenen Pfad noch einmal zu verlassen. Letztlich blieb sogar die strittige Aussage, seine Meinung durchaus mit Gewalt verteidigen zu dürfen – mitsamt einem heftigen Angriff auf die Staatsgewalt. Mutig und freiheraus gedacht, aber vielleicht auch eine gefährliche Rechtfertigung für Taten mancher Personengruppen.

„Und Morgen die ganze Welt“ hat Macken und teilweise Probleme beim Mitnehmen des Betrachters, ist aber unterm Strich doch relativ sehenswert und weitestgehend kurzweilig. Er war ein angenehmer Kontrast zur Gegenseite, die gefühlt wesentlich öfter – ebenfalls mehr oder weniger klischeebeladen – skizziert wird und allein deshalb einen genaueren Blick wert. Ein paar Ungereimtheiten und der Abschluss haben mir nicht geschmeckt, doch insgesamt überwog der positive Eindruck. Man kann Julia von Heinz sicherlich Einiges vorwerfen, doch dieses Werk wirkt ehrlich und durch Ihre eigene Erfahrungen geprägt. Aufgrund mangelnder Alternativen sowieso Pflicht für alle auch nur ansatzweise Interessierten.

7/10

Fotocopyright: Alamode Film

Stalingrad – Bis zum letzten Mann

Inhalt

Lange hat der Fronturlaub am Strand nicht gedauert, als die 6. Armee unter neuer Führung in den Kessel von Stalingrad abkommandiert wird. Anfänglich ist der Trupp noch recht zuversichtlich und glaubt an einen baldigen Sieg, doch schon bald holt sie die traurige Realität in der Schlacht an der Wolga ein…

Fazit

Aufgrund von Erfahrungen im Bekanntenkreis habe ich schon oft erwähnt, dass deutsche Filme immer eine Sache für sich sind und nicht unbedingt den besten Ruf bzw. den größten Fankreis haben. Meist bin ich bei hiesigen Werken auch etwas skeptisch, doch im historischen Bereich eigentlich immer sehr zufrieden gewesen – was seit meinen jüngeren Jahren insbesondere auch bei „Stalingrad“ zutraf.

Joseph Vilsmaier schuf hier ein Meisterwerk, welches sich insbesondere von seiner Erzählsicht deutlich von Konkurrenten aus beispielsweise der Traumfabrik von Hollywood unterscheidet. Hier erleben hier keine strahlenden Helden, sondern normale Familienväter, Brüder, einfache Bürger von Nebenan. Fast Niemand handelt hier aus vollster Überzeugung, sondern schlichtweg weil es Pflicht ist und die Hoffnung auf das Ende der Strapazen stets in Aussicht steht.

Unterstrichen wird die starke Betonung auf die menschliche Seiten der Soldaten durch Dialoge, die es wahrlich in sich haben und zum Teil an Sarkasmus und Weisheit nicht zu überbieten sind. Viele Charaktere zeigen unter Stress ihr wahres Gesicht und selbst die härtesten Typen offerieren eine zerbrechliche Seite. Man beobachtet den stetigen Zerfall eines optimistischen Lebens und gerät an vielen Stellen arg über alle Vorkommnisse und Entwicklungen ins Grübeln.

Das starke Konzept funktioniert natürlich nur, weil die grandiosen Darsteller auf ganzer Linie überzeugten und nicht selten rein durch Blicke und Gestiken für Gänsehaut sorgen. Im Grunde sollte man jeden einzelnen Akteur aufs Höchste loben, doch ein überragender Thomas Kretschmann wuchs hier über sich hinaus und konnte bis dato nie mehr so glänzen, wie es hier der Fall war. Noch heute bekannte Gesichter aus der TV-Landschaft lieferten hier beeindruckende Auftritte ab, die man so nie von ihnen erwartet hätte. Jede kleinste Rolle wurde sorgfältig besetzt und ebenso überwältigend gespielt.

Die Effekte waren beachtlich und machen auch heute noch eine hervorragende Figur. Die Schauplätze wirken weitläufig, kalt und trostlos. Mit relativ einfachen Mitteln wurde eine tolle Atmosphäre geschaffen, die noch immer sehen lassen kann und noch nicht durch schwache Computereffekte aus der Entstehungszeit durchsetzt wurden. Alles schmeckt nach guter Handarbeit, selbst errichteten Kulissen und tollen Maskenbildnern. Dazu gesellt sich das geschickte Einbinden historischer Reden und einem epischen Soundtrack, der brenzlige Situationen gekonnt mit Gänsehautstimmung unterstreicht.

Mit knapp über zwei Stunden ist die Laufzeit nicht von Pappe, aber durch ihre dichte Erzählweise und den interessanten Figuren nie langweilig. Es gab sogar vergleichsweise wenig Action, dafür extrem wuchtige Konversationen und nicht minder unterhaltsame Einblicke in das Wesen der Charaktere. Diese Tiefe macht sogar vor dem Finale kein Halt und zerstört seinen nachdenklichen Touch nicht mit aufgesetztem Krawall oder überzogenem Pathos. Man verabschiedet sich eher still vom Zuschauer und fuhr damit genau richtig. Auch eingeblendete Texttafeln waren sehr kompakt und beschäftigten nicht mit ellenlangem Lesen.

Ich kann verstehen, wenn man von deutschen Filmen – insbesondere wenn es zum das Thema Zweiter Weltkrieg geht – die Nase voll haben kann, doch dieses Genre ist einfach unsere große Stärke. Neben „Das Boot“ oder „Der Untergang“ zählt „Stalingrad“ zu den absoluten Pflichttiteln und sollte eigentlich von Jedermann zumindest einmal gesehen werden. Selten wurde das echte Soldatenleben so präzise und unheroisch portraitiert und selten konnte man sich so intensiv in dramatische Schicksale hineinversetzten. Wie kaum ein anderes Werk, schildert „Stalingrad“ eine Sinnlosigkeit, ein verbissenes Festhalten und eine Verblendung – die auch inszenierungstechnisch noch immer unter die Haut geht und den Kopf noch weit nach seiner Sichtung auf Trapp hält. Ein grandioses Kinoerlebnis und definitiv eine der Referenzen beim deutschen und beim internationalen (Anti-)Kriegsfilm überhaupt.

9/10

Fotocopyright: EuroVideo Medien GmbH

Danny’s Doomsday – Alleine hast du keine Chance

Inhalt

Der Sommer ist extrem heiß und keine Besserung in Sicht. Wie seine Mitschüler leidet auch der schüchterne Danny unter der Hitze und weiß nicht viel mit sich anzufangen. Als dann plötzlich die Hunde in der Nachbarschaft nicht mehr mit dem Bellen aufhören, wird klar, dass irgendwas Seltsames vorgeht…

Fazit

So rein von der Grundidee ist „Danny’s Doomsday“ gar nicht mal so schlecht gedacht – doch wieder einmal hapert es gewaltig bei der Umsetzung.

Ich habe generell nichts gegen Filme aus Dänemark und insbesondere auch nichts gegen Filme, die mit einfachen Mitteln eine beklemmende Atmosphäre aufzubauen versuchen. Unseren Nachbarn ist jedoch kein zweites „Signs“, sondern vielmehr eine langweilige Teenie-Variante davon geglückt.

Allgemein gelang keine richtige Identifikation mit den Figuren und deren Verhalten ließ mich absolut kalt. Alles fühlte sich nicht so recht greifbar an und eine schwache Vertonung gab der Figurenzeichnung dann den Rest. Irgendwie waren die meisten Charaktere so komisch drauf, dass ein Aufbau von Sympathien nur schwer zu bewerkstelligen war.

Fast schon erwartungsgemäß gab es vergleichsweise wenig an Action und kaum etwas an Kreaturen zu erblicken. Was bei anderen Mitstreitern irgendwie geschickt gemacht wurde, wich hier zuweilen heftiger Langweile. Es passt oftmals – gefühlt für endlose Minuten – überhaupt nichts auf dem Schirm und jeder Versuch ein bisschen Spannung aufzubauen, wird nicht passend abgeschlossen. Dies erfolgt beispielsweise beim Einläuten dramatischer Musik und dann verpufft die angespannte Lage direkt wieder.

Die eher unbekannten Darsteller machten ihre Sache so lala. Wie bereits erwähnt waren deren Figuren nicht unbedingt nachvollziehbar oder irgendwie großartig charismatisch geschrieben. Sie gaben sich zwar Mühe möglichst ängstlich dreinzublicken – doch weder als Grusel-, noch als Teeniestreifen wollte dies überzeugen. Selbst die wenigen Erwachsenen wirkten blas und uninspiriert.

Selbst als harmloser Jugendfilm betrachtet, macht „Danny’s Doomsday“ seine Sache leider nicht ordentlich gut. Man vergibt eine möglicherweise sogar sozialkritische Komponente und liefert einen belanglosen Langweiler mit wenig Substanz ab. Aufgrund seiner immensen Längen vermag ich letztlich keine höhere Bewertung auszusprechen. Für mich nach dem missglückten „Tribes of Europa“ die nächste europäische Pleite innerhalb kürzester Zeit.

3/10

Fotocopyright: Jakob GmbH

Tribes of Europa

Inhalt

Die Zukunft. Die Europäische Union ist zerbrochen und die Völker des Kontinents leben wieder in gespaltenen Stämmen und bekriegen sich regelmäßig. Als ein fremder Flugkörper im Wald der „Originals“ abstürzt, sind plötzlich viele Parteien an dem Frack und dessen Ladung interessiert…

Fazit

Nach Hochkarätern wie „Dark“ oder „Barbaren“ war mein Vertrauen in deutsche Produktionen eigentlich fest erstarkt, doch was sich jetzt zuletzt bei „Tribes of Europa“ präsentierte, machte diesen Glauben fast vollends zu Nichte. Während man sich immerhin um eine nette Rahmenhandlung bemüht, zeigt sich bereits nach den ersten Minuten der ersten Episode, wohin die traurige Reise geht.

Hatte man vor Monaten „Barbaren“ noch eine Art von Laientheater vorgeworfen, dann frage ich, was „Tribes“ hier darstellen möchte. Es gab zwar ein paar durchaus bekannte (und geschätzte) Gesichter aus der hiesigen Medienlandschaft, doch deren Auftritt lud meist nur zum Fremdschämen oder bestenfalls zum verzweifelten Lachen ein. Lausige Deutsch-Englisch-Mischmasch-Dialoge und Kostüme aus der Designhölle waren nicht nur unfreiwillig komisch, sondern eine echte Beleidigung für die Sinne des Zuschauers. Selbst die merkwürdige Musikuntermalung war bestenfalls als anstrengend zu bezeichnen und zum Teil völlig unpassend zu den eigentlich ganz nett eingefangenen Bildern.

Die gesamte Serie wirkte billig. Nicht bescheiden-stilvoll, sondern wirklich maßlos billig. Es gab nur wenige extrem karge Settings und gefühlt nur eine Handvoll CGI-Effekte, die zumeist eher klein vom Ausmaß waren und trotz des glanzlosen Restes eher untergingen. Sicherlich bewegen wir uns hier in einer fast völlig zerstörten und deprimierenden Zukunft, doch hier wollte sich beim besten Willen keine stimmige Endzeit-Atomsphäre auftun. Spartanisch okay, aber dann bitteschön alles zumindest in den Köpfen etwas größer wirken lassen und die Fantasie gekonnter anregen.

Die Serie trägt den Namen „Europa“ im Titel und fühlte sich dennoch so klein an. Gefühlt hab es nur einen Wald und drei mickrige Häuschen. Nichts erschien monumental oder zumindest in irgendwelchen gedanklichen Spinnereien auch nur ansatzweise episch. Man erkannte keine Kulissen, man erhielt keinen Überblick über das gesamte Geschehen – und wurde als dank nicht nur mit bescheuerten Clan- sondern auch peinlich-ausgefallenen Städtenamen belohnt. Berlin wollte wohl seinen Namen nicht hergeben…

Versteht mich nicht falsch. Ich habe durchaus ein Faible für Trash und einheimische Werke haben in der Regel schon vor der Sichtung einen kleinen Stein im Brett. „Tribes of Europa“ konnte jedoch in keiner Disziplin glänzen und wirkte mit seinen unverständlichen Designentscheidungen fast schon ein wenig beleidigend. Stellenweise wollte ich mich echt für diese Serie schämen und am liebsten gar nicht an Reaktionen aus dem Ausland denken. Andere liefern hier bei „Netflix“ richtige Knaller ab und wir tischen einen unausgegorenen, schwachen Schrott mit Hang zur Selbstgeißelung auf. Unfassbar schwache Vorstellung. Besonders schade um das Talent von Oliver Masucci – der mein einziger Lichtblick blieb und nicht einmal recht überzeugen konnte.

3/10

Fotocopyright: Netflix

Mo‘ Better Blues

Inhalt

Bleek ist Trompetenspieler mit Herz und Seele. Zwar mussten ihn seine Eltern einst dazu drängen, doch mittlerweile hat er seine eigene Band und tritt regelmäßig in einem Klub auf. Seine Schwäche sind jedoch die Frauen, zwischen denen er sich nie so recht entscheiden vermag…

Fazit

Die Kombination Denzel Washington und Spike Lee lässt den Puls den Filmfans schon ein wenig in die Höhe schießen und entsprechend waren die Erwartungen an diesen Titel – den ich seinerzeit leider völlig ignoriert hatte. Ich muss zugeben, dass mich die Thematik an sich noch immer wenig reizt, dennoch wollte ich nun endlich mal ein Blick wagen.

Rein von seiner Machart her, ist die Handschrift von Lee unverkennbar. Auch wenn man es nicht genau beschreiben kann, die Kameraführung, die Weise wie Dialoge festgehalten wurden und nicht zuletzt das dezente Einbringen von nackten Tatsachen fühlen sich hier irgendwie angenehm vertraut an.

Der Regisseur spielt mit den Bildern und verleiht ihnen mit einfachen Mitteln (Verzerrungen, übersteuerte Farben, etc.) einen stellenweise fast schon surrealen Touch. Bei diesem Titel kam dann auch noch ein hypnotische Musik dazu, die dem Ganzen einen einzigartigen Stempel aufdrückte und es wie ein Kunstwerk erscheinen ließ.

Bei all der Begeisterung für die Technik, darf ich jedoch ein paar Schattenseiten nicht vergessen. Für mich hatte der Streifen schon ein paar kleinere Längen, durch die man sich durchbeißen musste und vor allem die deutsche Vertonung stach fortwährend unschön hervor. Es gab einige durchaus bekannte Stimmen, doch stets hatte man das Gefühl, dass die Sprecher vertauscht wurden. Dafür kann der Regisseur jedoch nichts.

Neben Washington erblicken wir auch Wesley Snipes, der seine Sache ebenfalls sehr gut gemacht hat. Überhaupt hat die Chemie aller Beteiligten gepasst und dieser ausgezeichnete Gesamteindruck wurde lediglich durch die bereits erwähnte Vertonung ein wenig getrübt. Hierdurch fühlte sich das Setting leicht befremdlich an – obwohl doch alle Darsteller im Grunde richtig gefällig und locker aufspielten. Sogar Spike Lee übernahm eine zentrale Rolle.

Für mich fällt „Mo‘ Better Blues“ schon beinahe in die Kategorie Arthouse und hinterließ insgesamt einen recht guten Eindruck. Trotz kleinerer Durchgänger hat das Geschehen dank seiner sympathischen Darsteller nett unterhalten und vor allem die eher ungewöhnliche Soundkulisse gefiel sehr. Ein netter kleiner Titel, den man sich durchaus mal Zwischendurch genehmigen kann – und bei Jazzliebhabern sogar noch den ein oder anderen Zusatzpunkt abstauben könnte.

7/10

Fotocopyright: Pandastorm (WVG)

Traitor

Inhalt

Um an ranghohe Terroristen heranzukommen, nimmt ein Agent sogar den Tod von Unschuldigen in Kauf. Um in der Gunst seiner Auftraggeber zu steigen und die obersten Hintermänner kennenzulernen, zündet er selbst Sprengsätze. Es ist klar, dass er irgendwann in moralische Konflikte gerät und seine Zielpersonen zudem auch nicht immer so leben, wie sie es gerne predigen…

Fazit

Die Thematik ist noch immer äußerst brisant, doch bei der Umsetzung hapert es an einigen Stellen. Man konnte sich gut in die gesamte Lage und in viele Charaktere hineindenken, doch so richtig wollte das Abtauchen irgendwie nicht gelingen.

An vielen Stellen wirkte „Traitor“ sehr glatt gebügelt und fast schon oberflächlich. Ohne mich tiefergehend mit den Details auszukennen, schienen viele Aspekte sehr einfach und schlicht abgewickelt – was wohl dem erhofften Unterhaltungswert zuzuschreiben war. Leider blieb dann aber diese vermeintliche Kurzweil gelegentlich auf der Strecke und die absolute Aufmerksamkeit war nicht immer gegeben.

Neben höchst spannend angedachten Momenten (die es leider nicht immer waren), gab es viel Leerlauf und streckenweise viel zu lang gezogene Dialoge. Das ständige Wechseln zwischen Synchronisation und dem Lesen von Untertiteln (zumal mitten im Satz) machte es in Sachen Motivation und Kurzweil auch nicht unbedingt leichter. Man kam leider zu oft in die Verlegenheit, einfach vor spulen zu wollen und nicht mehr auf alle Kleinigkeiten zu achten.

Obwohl der Cast mit Guy Pearce und Don Cheadle recht beachtlich ausgefallen ist, hat mich deren Leistung irgendwie nicht ganz überzeugt. Sie spielen ihre Rollen zwar routiniert herunter, doch ich hatte immer das Gefühl, dass sie – gerade in solch emotionalen Auftritten – nicht alles gaben. Man hat alle irgendwo schon einmal besser agieren gesehen und hätte ich bei diesem Inhalt einen Ticken mehr Hingabe gewünscht.

„Traitor“ hätte so ein interessanter und schmerzhaft unter die Haut gehender Film werden können, doch unterm Strich blieb eher ein laues Lüftchen mit viel Langatmigkeit. Wer sich für die Handlung interessiert, wagt natürlich mal einen Blick, allen Anderen kann ich jedoch keine echte Empfehlung aussprechen.

6/10

Fotocopyright: LEONINE

Wir Kinder vom Bahnhof Zoo – Staffel 1

Inhalt

Christiane wächst zunächst wie eine ganz normale Jugendlich auf, bis sie durch die falschen Freunde und jeder Menge persönlicher Rückschläge immer weiter auf die schiefe Bahn gerät. Erst fängt es mit einfachen Trips an, doch schon bald sind auch diese nicht mehr genug, um der traurigen Realität zu entkommen…

Fazit

Die Neuauflage in Serienform ist gerade erst erschienen und schon häufigen sich einige schlechten Kritiken – die ich glücklicherweise nicht ganz teilen möchte. Sicherlich ist die Sichtung des Spielfilms schon einige Tage her und Vergleiche hierzu (oder gar zum Buch) für mich im Moment nur schwerlich möglich, doch auf seine moderne Weise hat mir das beim Versandriesen erschienene Werk überraschend gut gefallen.

Zunächst gefiel die hochwertige Optik, die mit knalligen Farben, krassen Kontrasten und klaren Bildern schnell ein Lächeln auf die Lippen zauberte. Man weiß sogar gelegentlich überhaupt nicht, in welcher Epoche das Gezeigte zur Zeit eigentlich spielt und das traurige Thema wirkt irgendwie erschreckend lebhaft.

Trotz aller technischen Finessen hat man aber das typisch Deutsche nicht vergessen. Ich kann es nur schwer beschreiben, aber durch sein Setting, den charmanten Darstellern und einigen – sagen wir mal Angewohnheiten – hebt sich das Ganze angenehm aus der Serienlandschaft hervor. Es trägt seine eigene Handschrift und der Sog ist vergleichsweise hoch. Die Identifikation mit den Figuren ist hoch und der unbeschwerte Originalton verstärkt den ansprechenden Eindruck.

Dem Epos wurde vorgeworfen, seine Kernaussage selbst etwas zu verwässern und bis zu einem gewissen Punkt gebe ich diesen Stimmen recht. Trotz einiger dramatischer Aufnahmen wirkt das Treiben oft zu sehr wie eine eher harmlosere Soap und schlägt nicht zu sehr in die Magengrube. Der Leichtgängigkeit ist dies zuträglich, das Thema Drogenkonsum und dessen Folgen sollte man dennoch ganz gut mitbekommen und nachvollziehen können. Die Serie zeigt halt eher auf lockere Weise, wie schlimm sich die Leben von jungen Menschen entwickeln und sollte auch ohne allzu explizite Bilder im Kopf genügend schockieren können.

Die eher unbekannten Gesichter haben mir rundherum gut gefallen. Da ich insbesondere durch die Buchvorlage nicht vorbelastet war, hatte ich keine konkreten Zeichnungen im Kopf – was hier wohl recht behilflich war. Die Chemie aller Beteiligten hat gepasst und man nahm ihnen ihre Rollen durchaus ab. Ich denke, von der ein oder anderen Person wird man in Zukunft (evtl. auch international) noch Einiges hören.

Für mich als Cineast zählt am Ende der Unterhaltungswert – und der hat bei „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ absolut gepasst. Sicherlich fühlte sich die Produktion stellenweise ein wenig seicht an, doch im Anbetracht vieler Szenen denke ich nicht, dass seine Wirkung verfehlt wird. Ich habe die 8 Episoden an einem Abend und einem Mittag durchgesuchtet und konnte mich nicht beklagen. Ich hoffe zudem auf Erfolg auch außerhalb der Landesgrenzen und dass es vielleicht noch mit den Abenteuern rund um die berühmte Bahnstation und seinen durchaus kaputten Charakteren weitergeht.

8/10

Fotocopyright: Amazon

Das Kindermädchen

Inhalt

Anwalt Joachim Vernau steht kurz vor der Heirat in eine renommierte Adelsfamilie und schnuppert schon an den Vorteilen des neuen Lebensabschnitts. Als dann eines Tages eine junge Frau vor der Tür steht und schier unglaubliche Anschuldigungen gegen seine künftigen Schwiegereltern aufstellt, kommt er ins Grübeln. Er nimmt sich der Sache an und stößt selbst bei seiner Zukünftigen auf taube Ohren…


Fazit

So richtig überzeugt bin ich von der „Vernau“-Reihe zwar noch immer nicht, doch ich habe mittlerweile ein paar Teile geschaut und fühlte mich stets passabel unterhalten. „Das Kindermädchen“ mag auch insgesamt kein unbedingter Pflichttitel sein, passte aber genau in die angepeilte Sparte und ließ sich gut wegschauen.

Liefers gab hier sein Debüt als aufstrebender Anwalt und machte dabei eine überzeugende Figur. Er verkörpert seine Rolle mit Hingabe, Witz und Charme – und trägt somit die ganze Produktion. Manchmal dachte man, dass er etwas besser hätte durchgreifen können, doch ansonsten kommt man hervorragend mit seiner hier präsentierten Rolle zurecht und fühlt sich gut unterhalten.

Die Geschichte ist vergleichsweise bodenständig und spricht ein allgemein unangenehmes Thema doch recht locker an. Nichts wirkt zu anklagend, aber auch nicht zu sehr verharmlost. Die Mischung ist so gut, wie halbwegs spannend und hinterließ am Ende einen passablen Eindruck. „Happy End“ natürlich inklusive.

Ich weiß nicht genau, ob es am Konzept der Reihe liegt – oder weil ich die Episoden im Moment völlig durcheinander aus der Mediathek anschaue, aber manchmal fühle ich mich ein wenig verwirrt. Gefühlt in jeder Folge hat Vernau eine andere Frau, Freundin oder Verlobte – etliche Affären nicht mitgerechnet. Außerdem scheinen manche Randpersönlichkeiten etwas zu variieren, was die Orientierung kurzzeitig leicht beeinträchtigt. Da hier allerdings auch wieder eine abgeschlossene Handlung vorliegt, ist dies nicht weiter tragisch und kein „Showstopper“. Man muss sich einfach drauf einlassen.

Liefers ist ein cooler Typ und „Das Kindermädchen“ unterm Strich ein mehr als solider Auftakt einer sehenswerten TV-Reihe. Das Gezeigte präsentierte ein strittiges Thema auf unterhaltsame Art und geht so insgesamt vollkommen in Ordnung. Nichts wofür ich (abgesehen von meinen Gebühren) extra Geld ausgeben würde, aber zum Streamen (oder im Live-Fernsehen) absolut machbar.

6/10

Fotocopyright: ZDF

Film in der Mediathek*: [Klick]
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Contagion

Inhalt

Eine neuartige Seuche hält die Welt in Atem. Nach kurzen Krankheitsverläufen steigt die Zahl der Toten rapide an und den Wissenschaftlern fällt die Vorbereitung zur einer Impfstoffentwicklung extrem schwer. Außerdem müssen sie erkunden, wo und durch Wen der Virus überhaupt in Umlauf geriet…

Fazit

Nachdem „Songbird“ noch einen bitteren Beigeschmack des schnellen Geldes mit sich trug, hatte „Contagion“ das Thema schon vor einigen Jahren wesentlich sachlicher und beängstigender auf Zelluloid gebannt. Am gestrigen Abend wollte ich dem Titel dann noch einmal seine Chance einräumen – und es war wohl nicht verwunderlich, dass er nun wesentlich intensiver, als noch vor einiger Zeit wirkt.

Es ist schon wirklich schwierig einen solchen Film in heutigen Zeiten zu sehen, denn obwohl hier nicht das Wort „COVID“ fällt, kann man das Geschehen doch relativ gut greifen. Für Experten mögen einige Aspekte sicherlich stark vereinfacht erscheinen, doch als eher unkundigen Zuschauer fand ich die Herangehensweise an die Sache doch sehr anschaulich und gut verständlich präsentiert.

Man bekam verschiedene Seiten zu Gesicht und konnte sich prima ein Bild von Behörden und Kritikern machen. Mit einfachen Methoden konnte man Phrasen entlarven oder berechtigte Zweifel gut erkennen. Dabei blieb der Unterhaltungswert und der Spannungsbogen nicht auf der Strecke, denn der eher trockene und nüchterne Inhalt wurde flüssig und stimmig inszeniert. Dabei setzte man auf unterschwelligen, realistischen Grusel, statt auf übertriebene Effekthascherei.

Ein echtes Highlight war der Cast. Es war beachtlich wie viele Stars sich hier die Klinke in die Hand gaben und wahrscheinlich auch echtes Interesse an der Thematik zeigten. Nahezu alle Nebenschauplätze wurde mit zumindest einem prominenten Gesicht besetzt und sie hatten auch keine Scheu sich verletzlich oder gar als Leiche zu zeigen. Niemand gab hier den strahlenden Helden und alle agierten der Lage entsprechend sachlich und nicht mit Hang zum Overacting.

„Contagion“ schlägt mit seiner authentischeren Machart viele Mitbewerber – wie zuletzt „Songbird“ – um Längen. Seine Ausstrahlung ist aktuell heftiger denn je und sicherlich derzeit nicht für jeden potentiellen Zuschauer geeignet. Er zeichnet ein weitestgehend glaubwürdiges Bild einer Epidemie und vergisst dabei nicht den Unterhaltungswert. Ein sehenswerter Beitrag, obgleich auch derzeit etwas ungemütlich.

8/10

Fotocopyright: Warner Bros (Universal Pictures)

Sechzehn Stunden bis zur Ewigkeit

Inhalt

Teenager Mark steckt in einer sonderbaren Zeitschleife und erlebt den selben Tag immer wieder. Er kennt die Abläufe der Menschen mittlerweile perfekt auswendig und es gibt keine echten Überraschungen mehr. Plötzlich tauch jedoch ein Mädchen auf, welches sich nicht so gleichförmig wie der Rest verhält und scheinbar auch in diesem merkwürdigen Komplex festsitzt…

Fazit

Obwohl Filme mit dieser Thematik nicht unbedingt sonderlich neu sind, hat mich auf den ersten Blick die sympathische Inszenierung angesprochen und ich wollte „Sechzehn Stunden bis zur Ewigkeit“ unbedingt mal eine Chance einräumen.

Man verliert keine großen Worte und wirft den Zuschauer direkt ins Geschehen. Nach wenigen Momenten ist klar, dass sich unser Protagonist bereits in der Zeitschleife befindet und sich so gut wie möglich damit arrangiert hat. Genauere Hintergründe lernen wir erst mit der Zeit kennen – obwohl streng wissenschaftliche Aspekte hier eher zu vernachlässigen waren.

Es geht hier klar um gute Laune und Fantasien, was dem Ganzen selbstredend einen gewissen Reiz und Unterhaltungswert beschert. Die meiste Zeit geht es angenehm locker zu und die traurigeren Passagen wurden gefühlvoll inszeniert. Man merkt, dass der Fokus eher auf diesen Momenten, statt der Logik oder der Technik der Zeitschleife an sich lagen. So war dann auch eine leicht haarsträubende Auflösung nicht weiter verwunderlich, sondern ordentlicher Teil des Konzeptes.

Die Chemie der beiden Hauptfiguren hat soweit gepasst, täuscht aber nicht über offenbare Lücken in der Handlung hinweg. Man konnte sich zwar gut auf deren charmantes Zusammenspiel einlassen und Beweggründe durchaus nachvollziehen, doch so richtig begeistern wollte das Geschehen dann trotzdem nicht. Ab einer gewissen Stelle nimmt die Leichtigkeit ab und weicht der traurigen Filmrealität – die zumindest in mir nach einem nachvollziehbareren Konstrukt schreit.

„Sechzehn Stunden bis zur Ewigkeit“ fängt überraschend unterhaltsam an, um dann besonders gegen Ende hin erzählerisch ein bisschen einzuknicken. Richtig schlecht wird es zwar nie, doch man sollte das Gezeigte schon mit viel Wohlbehagen und wenig Anspruch auf irgendeine sinnvolle Begründung betrachten. Dies schmälert den Gesamteindruck, doch unterm Strich bleibt ein solider Titel für Zwischendurch – den Prime-Kunden ruhig mal mitnehmen dürfen.

6,5/10

Fotocopyright: Amazon

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